Bergen & Treffpunkt Fehmarn

Geschrieben am 29. September 2017 von

Menschen, Menschen, Menschen. So mein erster Eindruck als ich in Bergen an Land gehe. Gestern abend um kurz nach sechs war ich hier. Hinter mir lagen gute 40 Seemeilen quer durch die schönen Schären und Sunde Südnorwegens. Der Wind blies wie schon die letzten zwei Tage auch sehr böig aus Südost. Das machte die ganze Angelegenheit doch etwas tricky. Denn während ich auf den freien Wassern doch besser segeln konnte als gedacht, stand in den Nord-Süd-verlaufenden Sunden der steife Wind meist genau auf der Nase. Ergo musste ich dort wohl oder übel mal wieder die Hilfe von „Volvi“ in Anspruch nehmen. Der macht aber seine Sache gut und so kommen wir realtiv gut voran. Die letzten zehn Meilen bis nach Bergen kann ich dann wieder segeln. Ich mache das vorsichtshalber nur mit der gerefften Genua, denn alle paar Minuten wird die plötzliche Windstille durch eine brachiale Boe abgelöst, die uns fast in den Wind schiessen lässt. Hätte ich da das Groß noch mit draußen, wäre der Autopilot ruckzuck am Limit und unser Kurs in die Gegenrichtung verkehrt. Ohnehin läuft Carpe selbst nur mit der verkleinerten Genua noch gute 5 Knoten. Bald kommt Bergen in Sicht. Eine schöne Stadt die ich bereits von einem früheren Besuch kenne. Besonders die typischen hölzernen Hansehäuser am Hafen sind auffallend. Der Hafen ist doch ganz gut besucht und so mache ich erst mal an der Hauptpier direkt an einer der Hauptverkehrsstraßen fest. Hier ist es laut und jede Menge Leute laufen durch mein „Wohnzimmer“. Außerdem ist der Stromanschluß so weit entfernt, dass ich selbst wenn ich alle meine Kakbel miteinander verbinden würde nicht genug Länge hätte. Also verhole ich mich an die mittlere Pier. Dort ist viel ruhiger, wenn auch hier viele Leute die ungewohnt warmen Temperaturen genießen. Der Rest des Abends ist dann mit der üblichen Bordroutine, etwas zu essen und ein wenig Lektüre schnell verbracht. Außerdem beauftrage ich per Mail einen Mechaniker, morgen bei Carpe einen Ölwechsel zu machen. Das hat sich der Motor redlich verdient und so will ich ihm ein wenig Wellness gönnen. Der Termin ist dann einfacher vereinbart als gedacht und um zehn Uhr will der Marina-Mann kommen und loslegen.

Heute morgen rappelt dann in aller früh mein Handy mit einer Mail des Handwerkers. „Um Missverständnissen vorzubeugen, der Termin muss bei uns außerhalb von Bergen statffinden. Ansonsten können wir den angebotenen Preis nicht halten“, schreibt er. Dabei hatte ich ihm gestern klipp und klar gesagt wo ich hinfahre und auf ihn warten werde. Jetzt will er plötzlich den doppelten Preis für seine Dienste. Der spinnt wohl. Ich lehne dankend ab und beschränke mich auf ein Lob für den Motor. Die letzten Tage wird er das Kind sicher auch so noch schaukeln. Mann , Mann, Mann …

Heute Vormittag drehe ich dann ne ausgedehnt Runde durch die Stadt. Es ist wirklich sehr sehr schön hier. Auch ein Ausflug auf den Floyen steht auf dem Programm. Ähnlich wie in Alesund kann man hier nämlich den „Hausberg“ erklimmen, um von dort eine grandiose Aussicht auf Stadt und Umgebung zu bestaunen. Gott sei Dank gibt es hier aber eine Bahn zum Gipfel und ich muss nicht schon wieder meine schweren Kadaver den steilen Weg hinaufwuchten :-).

Jetzt sitze ich im Cockpit, entspanne etwas in der Abendsonne und schreibe ein paar Zeilen. Eben war ich noch duschen, was auch ein ganz schöner Akt war. Denn man braucht einen Code für das hiesige „Servicecenter“. Der steht aber komischerweie nicht auf meiner Bezahl-Quittung. In der Tourist-Info kann man mir nicht helfen. Also rufe ich den Hafenmeister an, der mir das große Geheimnis schließlich verrät. Der Code lautet: 2017. Na da hätte ich auch so drauf kommen können. Als ich dann frisch geschniegelt zum Steg zurückkomme dreht eine norwegische Yacht ein paar Kringel. Die ältere Dame plärrt zu mir herüber, ob ich denn nicht mal ein bißchen Platz machen könnte, damit sie anlegen können. Die Lücke ist zwar auch so groß genug, aber freundlich wie ich nun mal bin, verhole ich Carpe ein Stück nach vorne. Dann kommt der Großmeister des Segelsports mit seiner 39er Hanse angedüst und knallt mir dabei fast wieder mal in den Windpilot. Nur die Heckleine die ich schnell von seiner Reling gegriffen und auf einem Poller belegt habe verhindert schlimmeres. Es dauert dann noch eine Weile bis das Team das Boot tatsächlich fest hat. Mir steht derweil der Angstschweiß auf der Stirn. Das wäre fast das dritte mal gewesen, dass mir irgendein Hirsch ins Boot fährt. Ich will ja nicht zu viel Klugscheißen, aber es gibt doch echt ne erschreckend große Menge Leute, die keinen Schimmer von dem haben, was sie da veranstalten und so regelmäßig sich und andere gefährden. Das geilste ist allerdings die Frau des Skippers, die mich anschließend sogar noch anmotzt, warum ich denn nicht norwegisch mit Ihnen reden würde. Ich glaub echt ich krieg nen Fön. Erst mache ich denen Platz, helfe beim Anleger und verhindere eine Kollision und muss mir dann noch son Senf anhören. Have a nice day …

Noch was Wichtiges: Heute habe ich endlich die Zusage vom „Cafe Sorgenfrei“ auf Fehmarn für unser Meet & Greet am 21. Oktober bekommen. Cool !! Das ganze findet also dort und nicht wie ursprünglich angekündigt im Sailors Inn statt. Das „Cafe Sorgenfrei“ hat in Burgtiefe zwei Lokale. Einmal draußen an der Zufahrt zum Hafen und einmal direkt am Rundsteg vom Yachthafen Burgtiefe. Und genau dort sind wir; am Rundsteg. Dort werde ich dann auch irgendwo anlegen. Essenstechnisch wird eine Kleinigkeit vorbereitet für die man dann je nach Hunger und Gustor nen kleinen Obulus in die Sammelbüchse werfen kann. Getränke latzt wie üblich jeder selbst. Ich freu mich schon.

Also dann .. schon wieder Zeit ans Essen zu denken. Ahoi !

Ein Kommentar zu Bergen & Treffpunkt Fehmarn

  1. Helge

    Moin Moin Guido,

    ja ja das liebe Wetter 😉
    Nimm´s wie immer…. mit Humor, denn der zeichnet Dich ja auch besonders aus !
    Der Wind ist ja „nur“ ein karibischer Gruß, dort wirst Du bestimmt vermisst nach
    so Abwesenheit.
    Und immerhin zeugen Deine tollen Bilder aus Bergen von guten Wetter in einer Stadt,
    in der es ja angeblich an fast 365 Tagen im Jahr regnen soll.

    Also, komm gut Heim

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