{"id":1396,"date":"2017-06-22T12:19:06","date_gmt":"2017-06-22T10:19:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.xn--trn-sna.de\/blog\/tigerneu\/?p=1396"},"modified":"2017-06-22T12:29:33","modified_gmt":"2017-06-22T10:29:33","slug":"zwei-lange-schlaege-nach-russland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.xn--trn-sna.de\/blog\/tigerneu\/2017\/06\/22\/zwei-lange-schlaege-nach-russland\/","title":{"rendered":"Zwei lange Schl\u00e4ge nach Russland"},"content":{"rendered":"<p>Ahoi ! Wie angek\u00fcndigt hier also ein paar weitere Zeilen \u00fcber unseren Weg zu M\u00fctterchen Russland. Ich schreibe diese Zeilen in Schl\u00fcsselburg\/Russland, wo wir mit Carpe an einer derben Steinmauer liegen, die laut Aussage der Einheimischen schon von Peter dem Gro\u00dfen errichtet wurde. Ringe oder Klampen gibt\u2019s hier nicht, geschweige denn Strom, Wasser oder Toiletten. Unsere Leine haben wir an ein paar eingeschlagenen Stangen und uralten Ketten und Haken vert\u00e4ut, die wir an der Mauer und auf der angrenzenden Wiese gefunden haben. Scheint aber irgendwie zu halten, denn die erste Nacht haben wir bereits hinter uns. Nun aber zur\u00fcck zu unserem bisherigen Weg:<\/p>\n<p>Es geht nach Haapasaari, einem kleinen Eiland unmittelbar an der finnisch-russischen Seegrenze. Von Hanko sind das immerhin 145 Seemeilen. Der bislang l\u00e4ngste Schlag des T\u00f6rns, f\u00fcr den wir je nach Verh\u00e4ltnissen 24 bis 30 Stunden veranschlagen. Der Morgen in Hanko ist zun\u00e4chst \u00fcsselig. Es regnet, der Himmel ist wolkenverhangen und einmal mehr zieht es mich eher in die Koje als an Deck. Nicht zuletzt weil wir zu sp\u00e4t in die Heia sind und eigentlich nur 3 Stunden geschlafen haben. Nach Fr\u00fchst\u00fcck und Toilettenbesuch schl\u00fcpfen wir dennoch in unsere Thermounterw\u00e4sche und das knallrote Parasail-\u00d6lzeug und werfen um 3 Uhr lokaler Zeit die Leinen bzw. den Bojenhaken los. Die angesagten 5 Windst\u00e4rken aus S\u00fcdwest sind bereits da und als wir wenig sp\u00e4ter die Segel setzen geht es mit durchschnittlich 6 Knoten hinaus aus den Sch\u00e4ren raus aufs freie Wasser. Hier legen wir Kurs Ost an geben Carpe unter Windpilot die Z\u00fcgel. Der Regen prasselt derweil ohne Unterlass herab. Es ist nicht nur kalt, sondern arschkalt und nach nur wenigen Stunden ist alles nass. Viktor zieht nach und nach alles an was er dabei hat und \u00e4hnelt in seinem \u00d6lzeug bald einem Michelin-M\u00e4nnchen. Eisern sitzt er Stunde um Stunde im Cockpit oder geht Ruder. Nicht das ich ihn dazu zwingen w\u00fcrde, vielmehr kann er bei etwas raueren Verh\u00e4ltnissen nicht gut unter Deck ausharren und zieht es daher vor die Fahrt im Cockpit abzuwettern. Zwischendurch \u00fcberrede ich ihn dann aber doch mal f\u00fcr eine knappe Stunde und ein Schl\u00e4fchen unter Deck zu gehen. Insgesamt \u00fcber 10 Stunden regnet es als ob es kein Morgen g\u00e4be. Dann ist die Dusche pl\u00f6tzlich aus. Daf\u00fcr zieht am Abend immer wieder Seenebel auf, der die Sicht stark einschr\u00e4nkt. Die paar Frachter und Tanker die hier kreuzen haben wir aber auf dem AIS gut im Blick und m\u00fcssen uns insoweit keine wirklichen Sorgen machen. Unsere erwartete Ankunftszeit auf Haapasaari liegt bei ungef\u00e4hr 5 Uhr Dienstag morgen.<\/p>\n<p>Die Nacht ist wie schon fast gewohnt nicht wirklich dunkel. Nur der immer wieder durchwabernde Nebel und die Wolken sorgen heute f\u00fcr etwas schattigere Stimmung als sonst. Der Wind dreht mehr und mehr auf West, was auch so gemeldet war. Irgendwann bl\u00e4st es mit guten 30 Knoten genau von achtern. Zeit also das Gro\u00df zu bergen und fortan mit der Genua gen Ost zu rauschen. Das Vorsegel ist dabei auf etwa die H\u00e4lfte seiner vollen Fl\u00e4che gerefft, treibt uns aber trotzdem mit \u00fcber 6 Knoten voran. Der Windpilot muss jetzt schon seine ganze Steuerkunst aufwenden um Carpe auf Kurs zu halten. Die Wellen die von achtern anrollen sind n\u00e4mlich mittlerweile sicher gute 2 Meter hoch. Zwischendurch rollen immer wieder eine Handvoll noch h\u00f6here Wasserberge heran und heben uns f\u00fcr kurze Momente wie auf eine Aussichtsplattform an. Wenig sp\u00e4ter geht es dann wieder rauschend runter ins Wellental herab. In der Anfahrt nach Haapasaari kommt dann doch noch etwas Verkehr auf. Zun\u00e4chst n\u00e4hert sich von hinten die \u201eFINNWAVE\u201c auf  fast genauem Kollisionskurs mit uns. Die Sicht ist immer noch schlecht, sodass wir den Frachter selbst als er nur noch eine halbe Meile entfernt ist nicht mit blo\u00dfem Auge ausmachen k\u00f6nnen. Zur Sicherheit springe ich an den Funk und rufe den Finnen an. Der meldet sich prompt auf Kanal 16 und best\u00e4tigt auf meine Anfrage, dass er uns gut auf dem Radar sieht und an Steuerbord \u00fcberholen wird. Eine gute Stunde sp\u00e4ter n\u00e4hern wir uns dann einr gro\u00dfen Reede. Hier man\u00f6vrieren gleich zwei gro\u00dfe Frachter auf der Suche nach einem geeigneten Ankerplatz. Mit einer Halse weichen wir gro\u00dfz\u00fcgig aus. Das Man\u00f6ver f\u00fchrt uns bis auf 3 Meilen an die finnisch-russische Grenze heran. Die auf der Seekarte nur d\u00fcnne Linie habe ich mir zuvor zur Sicherheit dick markiert, um diese nicht aus Versehen zu \u00fcberfahren. Das k\u00f6nnte n\u00e4mlich doch etwas Mecker geben, zumal die erste russische Insel Ostrov Gogland bereits in der Ferne zu erahnen ist. Eine weitere Halse bringt uns wieder auf Kurs Haapasaari. Entang der Grenze geht es so f\u00fcr drei weitere Stunden voran. Irgendwie werden wir das Gef\u00fchl nicht los beobachtet zu werden. Denn auf dem nahen Gogland (RUS) soll eine gro\u00dfe Radar- und Horchbasis liegen. Dementsprechend ist die ganze Insel auch Sperrgebiet.<\/p>\n\n\t\t<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-1396 gallery-columns-3 gallery-size-thumbnail gallery1'><script type=\"text\/javascript\">\r\n\/\/ <![CDATA[\r\n\tjQuery(document).ready(function () {\r\n\t\tjQuery(\".gallery1 a\").attr(\"rel\",\"gallery1\");\t\r\n\t\tjQuery('a[rel=\"gallery1\"]').colorbox({maxWidth:\"95%\", maxHeight:\"95%\",title: function(){ return jQuery(this).children().attr(\"alt\"); }, });\r\n\t});\r\n\/\/ ]]>\r\n<\/script>\n<figure class=\"gallery-item\">\n<div class=\"gallery-icon\">\r\n<a href=\"https:\/\/www.xn--trn-sna.de\/blog\/tigerneu\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2017\/06\/c-1-1024x576.jpg\" title=\"Viel Wind vor Haapasaari\" rel=\"gallery1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.xn--trn-sna.de\/blog\/tigerneu\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2017\/06\/c-1-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" alt=\"Viel Wind vor Haapasaari\" \/><\/a>\r\n<\/div><figcaption class=\"gallery-caption\" id=\"caption1399\"><span class=\"imagecaption\">Viel Wind vor Haapasaari<\/span><br \/>\n<\/figcaption><\/figure><figure class=\"gallery-item\">\n<div class=\"gallery-icon\">\r\n<a href=\"https:\/\/www.xn--trn-sna.de\/blog\/tigerneu\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2017\/06\/d-1-1024x576.jpg\" title=\"Haapasaari\" rel=\"gallery1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.xn--trn-sna.de\/blog\/tigerneu\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2017\/06\/d-1-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" alt=\"Haapasaari\" \/><\/a>\r\n<\/div><figcaption class=\"gallery-caption\" id=\"caption1400\"><span class=\"imagecaption\">Haapasaari<\/span><br \/>\n<\/figcaption><\/figure><figure class=\"gallery-item\">\n<div class=\"gallery-icon\">\r\n<a href=\"https:\/\/www.xn--trn-sna.de\/blog\/tigerneu\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2017\/06\/e-1-1024x576.jpg\" title=\"Unterwegs auf Haapasaari\" rel=\"gallery1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.xn--trn-sna.de\/blog\/tigerneu\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2017\/06\/e-1-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" alt=\"Unterwegs auf Haapasaari\" \/><\/a>\r\n<\/div><figcaption class=\"gallery-caption\" id=\"caption1401\"><span class=\"imagecaption\">Unterwegs auf Haapasaari<\/span><br \/>\n<\/figcaption><\/figure><figure class=\"gallery-item\">\n<div class=\"gallery-icon\">\r\n<a href=\"https:\/\/www.xn--trn-sna.de\/blog\/tigerneu\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2017\/06\/f-1024x576.jpg\" title=\"Ups ...\" rel=\"gallery1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.xn--trn-sna.de\/blog\/tigerneu\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2017\/06\/f-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" alt=\"Ups ...\" \/><\/a>\r\n<\/div><figcaption class=\"gallery-caption\" id=\"caption1402\"><span class=\"imagecaption\">Ups ...<\/span><br \/>\n<\/figcaption><\/figure><figure class=\"gallery-item\">\n<div class=\"gallery-icon\">\r\n<a href=\"https:\/\/www.xn--trn-sna.de\/blog\/tigerneu\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2017\/06\/g-1024x576.jpg\" title=\"Passport Control Haapasaari\" rel=\"gallery1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.xn--trn-sna.de\/blog\/tigerneu\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2017\/06\/g-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" alt=\"Passport Control Haapasaari\" \/><\/a>\r\n<\/div><figcaption class=\"gallery-caption\" id=\"caption1404\"><span class=\"imagecaption\">Passport Control Haapasaari<\/span><br \/>\n<\/figcaption><\/figure><figure class=\"gallery-item\">\n<div class=\"gallery-icon\">\r\n<a href=\"https:\/\/www.xn--trn-sna.de\/blog\/tigerneu\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2017\/06\/h-1024x576.jpg\" title=\"Carpe auf Haapasaari\" rel=\"gallery1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.xn--trn-sna.de\/blog\/tigerneu\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2017\/06\/h-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" alt=\"Carpe auf Haapasaari\" \/><\/a>\r\n<\/div><figcaption class=\"gallery-caption\" id=\"caption1405\"><span class=\"imagecaption\">Carpe auf Haapasaari<\/span><br \/>\n<\/figcaption><\/figure><figure class=\"gallery-item\">\n<div class=\"gallery-icon\">\r\n<a href=\"https:\/\/www.xn--trn-sna.de\/blog\/tigerneu\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2017\/06\/i-1024x576.jpg\" title=\"Haapasaari\" rel=\"gallery1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.xn--trn-sna.de\/blog\/tigerneu\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2017\/06\/i-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" alt=\"Haapasaari\" \/><\/a>\r\n<\/div><figcaption class=\"gallery-caption\" id=\"caption1406\"><span class=\"imagecaption\">Haapasaari<\/span><br \/>\n<\/figcaption><\/figure><figure class=\"gallery-item\">\n<div class=\"gallery-icon\">\r\n<a href=\"https:\/\/www.xn--trn-sna.de\/blog\/tigerneu\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2017\/06\/j-1024x576.jpg\" title=\"Die erste russische Insel\" rel=\"gallery1\"><img loading=\"lazy\" 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class=\"gallery-icon\">\r\n<a href=\"https:\/\/www.xn--trn-sna.de\/blog\/tigerneu\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2017\/06\/l-1024x576.jpg\" title=\"Kronstadt Zoll und Immigration\" rel=\"gallery1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.xn--trn-sna.de\/blog\/tigerneu\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2017\/06\/l-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" alt=\"Kronstadt Zoll und Immigration\" \/><\/a>\r\n<\/div><figcaption class=\"gallery-caption\" id=\"caption1409\"><span class=\"imagecaption\">Kronstadt Zoll und Immigration<\/span><br \/>\n<\/figcaption><\/figure><figure class=\"gallery-item\">\n<div class=\"gallery-icon\">\r\n<a href=\"https:\/\/www.xn--trn-sna.de\/blog\/tigerneu\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2017\/06\/m-1024x576.jpg\" title=\"Carpe in Kronstadt\" rel=\"gallery1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.xn--trn-sna.de\/blog\/tigerneu\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2017\/06\/m-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" alt=\"Carpe in Kronstadt\" \/><\/a>\r\n<\/div><figcaption class=\"gallery-caption\" id=\"caption1410\"><span class=\"imagecaption\">Carpe in Kronstadt<\/span><br \/>\n<\/figcaption><\/figure><figure class=\"gallery-item\">\n<div class=\"gallery-icon\">\r\n<a href=\"https:\/\/www.xn--trn-sna.de\/blog\/tigerneu\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2017\/06\/a-1-1024x576.jpg\" title=\"Unterwegs nach Haapasaari\" rel=\"gallery1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.xn--trn-sna.de\/blog\/tigerneu\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2017\/06\/a-1-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" alt=\"Unterwegs nach Haapasaari\" \/><\/a>\r\n<\/div><figcaption class=\"gallery-caption\" id=\"caption1411\"><span class=\"imagecaption\">Unterwegs nach Haapasaari<\/span><br \/>\n<\/figcaption><\/figure><figure class=\"gallery-item\">\n<div class=\"gallery-icon\">\r\n<a href=\"https:\/\/www.xn--trn-sna.de\/blog\/tigerneu\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2017\/06\/b-1-1024x576.jpg\" title=\"Unterwegs nach Haapasaari\" rel=\"gallery1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.xn--trn-sna.de\/blog\/tigerneu\/wp-content\/uploads\/sites\/8\/2017\/06\/b-1-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" alt=\"Unterwegs nach Haapasaari\" \/><\/a>\r\n<\/div><figcaption class=\"gallery-caption\" id=\"caption1412\"><span class=\"imagecaption\">Unterwegs nach Haapasaari<\/span><br \/>\n<\/figcaption><\/figure>\r\n\t\t<\/div>\n\n<p>Die letzten Meilen nach Haapasaari haben es dann doch nochmal in sich. Der Wind h\u00e4mmert nach wie vor mit um die 30 Knoten von achtern. Die Genua haben wir geborgen und die Maschine f\u00fcr die finale Anfahrt gestartet. Dann sehen wir vor uns pl\u00f6tzlich Dutzende Bojen und F\u00e4hnchen im Wasser. \u201eDas sind Netze !\u201c, ruft Viktor durch den Wind. Vorsichtig umkurve ich die vielen bunten Markierungen bis ich pl\u00f6tzlich dahinter ganze Reihen von wei\u00dfen und roten Bojen sehe. \u201eDas sind keine Einzelnetze mehr, sondern Stellnetzreihen !\u201c, pl\u00e4rre ich zur\u00fcck, \u201eDa kommen wir nicht durch !\u201c. Ich bin echt bedient. Wir befinden uns ziemlich genau in der empfohlenen Anfahrt f\u00fcr die finnische Insel und sind in einem Meer aus Bojen und Netzen gefangen. Dazu kommen M\u00fcdigkeit, K\u00e4lte und N\u00e4sse sowie die wachsende Ungeduld auf den Landfall. Ab er es hilft nix, wir drehen auf engem Raum und m\u00fcssen mit einem gro\u00dfen Bogen erneut anfahren. Das klappt schliel\u00dflich besser und wir k\u00f6nnen zwischen den vorgelagerten Inseln Haapasaaris die Leine und Fender klarmachen. Vorbei an dem gro\u00dfen \u201ePassport Control\u201c Posten der finnischen Grenz-Beh\u00f6rden steuern wir bald in die kleine zentrale Bucht ein. Das Zugangsfahrwasser ist betonnt. Das ist auch gut so, denn rechts und links ragen m\u00e4chtige Felsen aus dem Wasser und man kann deutlich den Meeresgrund sehen. Das Fahrwasser selbst ist au\u00dferdem so eng betonnt, das zwei Boote dieses nicht gleichzeitig befahren k\u00f6nnen. In der Bucht ist der Seegang dann von jetzt auf gleich verschwunden und auch der Wind wird gut abgeschirmt. Wir w\u00e4hlen den zuvor auf der Karte ausgemachten Steg der kleinen Tankstelle als Anlegepunkt aus und machen dort um ziemlich genau 4 Uhr Dienstag morgen, nach 25 Stunden, die Leinen fest. Dann eben noch kurz mit der Dieselheizung durchgeheizt und ab in die Koje. Uff !<\/p>\n<p>Mittags sind wir wieder auf den Beinen und unternehmen eine erste Erkundungstour \u00fcber die Insel. Der etwa 15 Meter lange Holzsteg hat f\u00fchrt vorbei an einem kleinen Schuppen und einem Plumpsklo an Land. Dort steht auch gleich das erste H\u00e4uschen in dem ein kleiner Laden untergebracht ist. Obwohl eigentlich noch geschlossen, werden wir eingelassen und schauen uns kurz um. Dann gehts weiter Richtung Zoll-Station wo wir mit unseren P\u00e4ssen und Bootspapieren schon mal ausklarieren wollen, bevor es morgen nach Kronstadt\/Russland gehen soll. Nur gute 10 Minuten dauert der Fu\u00dfmarsch \u00fcber enge Pfade, und von der Eiszeit glattgeschliffene Felsenfl\u00e4chen. Menschen sehen wir zun\u00e4chst keine. Nur ein paar Holzh\u00e4uschen und die Laden-Verk\u00e4uferin, die uns etwas sp\u00e4ter mit ihrem Quad \u00fcberholt. An der Zollstation ist dann auch zun\u00e4chst keine Socke. Im zentralen Geb\u00e4ude treffen wir auch zun\u00e4chst nur auf leere B\u00fcros in den einige PC`s und Bildschirme brummen. Also rufe ich mal ins Blaue und pl\u00f6tzlich tauchen gleich drei Uniformierte auf, die uns neugierig be\u00e4ugen. Ein kurzer Talk l\u00e4sst und dann wissen, dass wir erst am Tag der tats\u00e4chlichen Ausreise auschecken k\u00f6nnen. Soll hei\u00dfen, wir m\u00fcssen morgen um 8 Uhr an den gro\u00dfen Anlegesteg des Kontrollpunkts kommen, um dort die notwendigen Formalit\u00e4ten abzuwickeln. Also gehen wir unverrichteter Dinge wieder zur\u00fcck und erkunden jetzt die andere Seite der Insel. Auch hier viele kleine Holzh\u00e4uschen, hier und da sogar ein paar Menschen und an nahezu jedem Seegrundst\u00fcck ein B\u00f6tchen im Wasser. Nach einer guten Stunde sind wir wieder zur\u00fcck an Bord. Da an unserm Steg weder Wasser noch Strom liegen, fragen wir den urigen Laden-Besitzer, ob er vielleicht ein Kabel f\u00fcr uns legen k\u00f6nnte. Und tats\u00e4chlich. Nur wenig sp\u00e4ter wird aus dem kleinen Schuppen eine Verl\u00e4ngerungsschnur an unser Boot gelegt und nur Augenblicke sp\u00e4ter sorgt  der Heizl\u00fcfter f\u00fcr muckelige und zunehmend trockene Stimmung im Salon. Au\u00dferdem fragt uns der Finne, ob wir nicht Lust haben in die Sauna zu gehen. Das haben wir, als der aber sagt, dass das erst fr\u00fchestens uns um 21 Uhr abends ginge, lehnen wir dann doch ab. Immerhin wollen wir am n\u00e4chsten Morgen fr\u00fch raus . Zwei Saunag\u00e4nge kurz davor w\u00fcrden uns doch eher schlapp als fit machen.<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Morgen beginnt um 6 Uhr. Es ist bereits taghell und eisekalt. Noch einmal schmei\u00dfe ich kurz die Heizung an, um das kleine Fr\u00fchst\u00fcck etwas gem\u00fctlicher zu gestalten. Um 7.30 Uhr sind wir bereits unterwegs zum Passport-Check. Ein finnischer Beamter nimmt unsere Papiere an sich und verschwindet dann f\u00fcr eine gute halbe Stunde. Dann bekommen wir die Dokumente und eine vom Zoll abgestempelte Crewliste zur\u00fcck. Das ist dann auch das Dokument f\u00fcr die Einreise nach Russland. Mit einem zweiten Beamten geht es dann an Bord, wo eine recht halbherzige Bordbesichtigung stattfindet. Ich muss die Schr\u00e4nke und Staur\u00e4ume \u00f6ffnen und hier und da wird mal etwas gefragt. Wirklich gesucht wird aber nicht .. wonach auch !? Gegen 8.30 Uhr verlassen wir dann Haapasaari endg\u00fcltig, setzen die T\u00fccher und rauschen bei 5 bis 6 Beaufort Kurs S\u00fcdost direkt zur finnisch-russischen Grenze. Schon um zehn Uhr passieren wir die unsichtbare Linie und rufen wie zuvor von Sail-Agent Vladimir empfohlen die russische K\u00fcstenwache an. Der Funk rauscht allerdings nur minutenlang ohne Antwort. Spontan nehme ich unsere Handfunke dazu und schalte diese ein. Dort dann pl\u00f6tzlich eine schwer verst\u00e4ndliche, sehr verrauschte Antwort. In x Anl\u00e4ufen gelingt es uns dann, uns anzumelden. Die K\u00fcstenwache best\u00e4tigt derweil uns auf dem Radar zu beobachten und w\u00fcnscht eine gute Fahrt nach Kronstadt. Wir sind in Russland !<\/p>\n<p>Die Fahrt verl\u00e4uft alles in allem gut, zieht sich aber ganz sch\u00f6n. Grund daf\u00fcr sind immer wieder kurze Windl\u00f6cher die die Segel schlagen lassen und uns teilweise sogar zwingen den Diesel zuzuschalten. Da heute aber die Sonne scheint und die Temperaturen im Tagesverlauf angenehm werden, st\u00f6rt das nicht weiter. Viktor geht wieder eisern Ruder und steuert uns weiter Richtung Kronstadt. Kronstadt ist ein vorgelagertes St\u00e4dtchen St. Petersburgs und auf einer kleinen Insel untergebracht, die auch die Zufahrt in die Bucht vor Petersburg markiert. Die ganze Bucht ist zus\u00e4tzlich mit einem Sperrdamm gegen die offene See gesch\u00fctzt. Alles Errungenschaften von Peter dem Gro\u00dfen, seines Zeichens auch Gr\u00fcnder und Namensgeber von St. Petersburg. Die letzten Meilen ziehen sich endlos dahin und wir w\u00fcnschen uns den Landfall nun immer mehr herbei. Schlie\u00dflich passieren wir gegen Mitternacht die gro\u00dfe Einfahrt nach Kronstadt. Im noch hellen Licht beobachten wir dabei das m\u00e4chtige Sperrwerk, welches hier bei Sturmfluten die komplette Durchfahrt verschlie\u00dfen kann. Ein \u00e4hnliches Bauwerk gibt es glaube ich auf der Themse und soll London sch\u00fctzen. Hinter dem Durchlass sehen wir dann an Backbord ein Blitzlicht auf einem Hausdach und witzeln noch: \u201eDie meinen bestimmt uns &#8230;\u201c. Aber genauso ist es. Denn als wir kurze Zeit sp\u00e4ter an dem Geb\u00e4ude vorbei fahren, wird laut gerufen und wir herangewunken. Da w\u00e4ren wir doch fast an dem Zollposten vorbeigefahren, denn auf unserer Karte war dieser etwas weiter hinten eingezeichnet. Anyway .. wir drehen auf der Stelle und machen kurz darauf die Leinen an einem riesigen st\u00e4hlernen Schwimmponton fest, an dem auch die Titanic h\u00e4tte anlegen k\u00f6nnen. Wer nun glaubt, es w\u00e4re f\u00fcr heute geschafft, der t\u00e4uscht sich, Denn jetzt gehts erst richtig los. Es kommen zwei Beamte an Bord, versorgen uns mit vielen Formularen und beginnen eine Durchsuchung des Boots. Es ist mittlerweile halb eins und ich bin ziemlich im Eimer. Dennoch m\u00fcssen wir das Ganze Prozedere jetzt und hier erledigen. Gesetz ist eben Gesetz. Die beiden Beamten (ein Mann und eine Frau) suchen nun schon etwas genauer, w\u00e4hrend die Dame mit einer Videokamera bewaffnet alles filmisch dokumentiert und festh\u00e4lt. Nach 20 Minuten ist Carpe gepr\u00fcft und f\u00fcr in Ordnung befunden. So wirklich streng ist das Ganze aber auch hier nicht. Nun m\u00fcssen wir noch die ganzen Formulare ausf\u00fcllen und uns anschlie\u00dfend in einem Container a l\u00e0 DDR-Grenze melden. Hier wieder eine adrette Blondine in schicker Uniform hinter einer dicken Glasscheibe. Es wird palavert, Formulare gepr\u00fcft und unsere Unterlagen kopiert. Dann ist es endlich vollbracht und wir fallen nach einem Butterbrot totm\u00fcde in die Koje. Morgen soll dann noch die Zollkontrolle stattfinden, bevor wir endlich nach St. Petersburg weiterreisen d\u00fcrfen. Do swidanije !<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"mh-excerpt\"><p>Ahoi ! Wie angek\u00fcndigt hier also ein paar weitere Zeilen \u00fcber unseren Weg zu M\u00fctterchen Russland. 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