Doppelausgabe

Ich bin online ! Also nutze ich die seltene Gelegenheit gleich mal für eine Doppelausgabe. Hier also zunächst ein paar kurze Eindrücke und ein Resümee zum Schlag von Fehmarn nach Bornholm. Anschließend geht’s weiter mit meinem weiteren Weg nach Schweden.



Von Bornholm bis Kristianopel

Dieser Christian oder Kristian scheint ja in der skandinavischen Geschichte eine große Nummer gewesen zu sein. Warum sonst sollten wohl gleich zwei Orte die ich zuletzt besucht habe nach ihm benannt sein. Aber der Reihe nach. Ich sitze hier gerade in Kristianopel in Carpes Bauch, der Heizlüfter sorgt für muckelige Stimmung und draußen riechts gerade streng nach AA. Warum weiß ich nicht. Mein Tank ist es jedenfalls nicht :-). Ich schreibe diesen Text in der Hoffnung ihn morgen in Kalmar endlich hochladen zu können, denn das Thema Internet entwickelt sich hier echt zu einem Dauerbrenner. Schon auf Bornholm war das WLAN out of order. Auf Christansoe und Utklippan gabs schlichtweg kein Internet. Das ist wohl zum einen der Infrastruktur als auch der abgelegenen Lage geschuldet. Irgendwie würde das auch nicht so richtig passen. Das nun auch in Kristianopel ausgerechnet heute die WIFI Anlage „gewartet“ wird ist schon ein echter Zufall. Nun denn … wo fange ich an.

Nach zwei erholsamen Tagen in Roenne auf Bornholm habe ich am Dienstag erneut die Leinen losgeworfen und bin Richtung Christiansoe gestartet. Der gemeldete Wind ließ jedoch auf sich warten und so ging es zunächst unter Maschine bis zur Nordspitze Bornholms. Hier konnte ich dann endlich „anluven“, habe volles Zeug gesetzt und bin mit wahnsinnigen 3 Knoten gen Osten geschippert. Nach einer guten Stunde war allerdings auch hier Ende im Gelände. Der Wind war weg und der Motor wieder an. Schon wenig später zeigte sich am Horizont die Silhouette von Christiansoe. Schon viel habe ich von diesem schroffen Felseneiland gehört und gelesen. Jetzt sollte ich es also endlich auch selbst besuchen können. Nach der Einfahrt in die südliche Zufahrt des kleinen Kanals der Christiansoe von der ebenso winzigen Nachbarinsel Fredericksoe trennt, staune ich nicht schlecht. Der Hafen ist voll. An der Pier an steuerbord liegen bereits zig Boote auf Päckchen und auch auf der linken Seite sind die meisten Heckbojen bereits belegt. „Sonmist ..“, denke ich mir und entscheide sogleich es erstmal an einer der Heckbojen zu versuchen. Zur Sicherheit manövriere ich vorher ganz langsam an eines der benachbarten (deutschen) Boote heran und erkundige mich nach der Tiefe. Die Karte gibt da nämlich nicht wirklich viel her. „Bei uns so um die zweifuffzich“, erhalte ich als Antwort. Der andere Skipper meint ebenfalls, dass das wohl reicht, obwohl sein Tiefenmesser „fürn Arsch“ ist. So richtig wohl fühle ich mich nicht bei der ganzen Sache, entscheide mich dann aber doch für einen Versuch, da die benannten Boote allesamt ein gutes Stück länger sind als ich und ich daher von ähnlichem oder sogar größerem Tiefgang ausgehe. Mit dem Bojenhaken im Anschlag geht es also ganz langsam Richtung Liegeplatz. Die Boje erwische ich gut und weiter geht es im Schneckenspeed Richtung Pier. Dort steht bereits eine helfende Hand und will meine Leine annehmen. Und dann .. ihr ahnt es schon … passiert es: Rumpel-Pumpel-Grundberührung. Gott sei Dank nur ganz leicht und sehr langsam. Sofort ist die Maschine im Rückwärtsgang, der Bojenhaken wieder geborgen und ein amtlicher Fluch über die Insel geplärrt. Mann ey, sowas ärgert mich bis auf die Knochen. Besonders wenn die zuvor befragten Skipper mit dem Kopf schütteln und sogar lachen. Von weiteren Bojenexperimenten habe ich nun verständlicherweise die Nase voll. Also gehe ich bei einer deutschen Studenten-Truppe und einem einheimischen Taucherboot aufs dritte Päckchen. So richtig happy bin ich damit nicht. Zumal ein wirklich guter Platz von nur einer einzigen Yacht aus Polen blockiert wird. Deren Besatzung hatte zuvor meine Päckchen-Anfrage mit dem Hinweis „wir laufen in einer Stunde aus“ abgelehnt. Als wenig später eine weitere polnische Yacht einläuft und auch diese zunächst an meinem Erstanlegeplatz kurz den Grund touchiert, gibt es einen kurzen und beachtlichen Schlagabtausch mit der blockierenden Yacht. Und siehe da .. nur Minuten später legt der zuvor uneinsichtige Blockierer ab und gibt den Platz frei. Richtig so .. als Zeichen meiner Anerkennung helfe ich den Neuankömmlingen gleich mal bei ihrem Anleger und kurz darauf liege ich schon bei Ihnen auf Päckchen. Das gefällt mir schon besser. Erstens nur zweites Päckchen und außerdem habe ich eine Einladung zum grillen bekommen. Den Abend verbringe ich also mit Darek, Viethold und Rafael auf deren Boot. Es gibt reichlich Bier und Wein und noch mehr Fleisch. Denn ursprünglich sollte die Crew aus 6 Personen bestehen. Nun sind sie nur zu dritt unterwegs haben aber entsprechend viel Proviant an Bord. Mein Glück :-). Der Abend ist wirklich klasse und ich höre nicht nur interessante Segelgeschichten aus Polen, sondern kann auch von meinen zurückliegenden und geplanten Abenteuern berichten.

Der nächste Morgen ist dann etwas pelzig. Obwohl ich mich persönlich beim Bier zurückgehalten habe, bin ich doch leicht angeschlagen. So ist die Entscheidung noch einen Tag zu bleiben schnell gefallen. Wind soll es heute sowieso keinen geben. Also verhole ich mich kurz nach dem aufstehen an die jetzt wieder völlig leere Pier und beobachte anschließend wie die erste Fähre des Tages Passagiere und reichlich Fracht ausspuckt. Das ganze Zeug wird von den Einheimischen mit kleinen elektrischen Kettenfahrzeugen (kein Scherz) abtransportiert. Das macht einen Höllenlärm der meinen Schädel zusätzlich brummen lässt. Also muss schnell Ablenkung her. Ich bewaffne mich mit der Gopro, befestige diese an einem Selfie-Stick und filme damit mein Unterwasserschiff, um doch auf Nummer sicher zu gehen, dass die Grundberührung vom Tag zuvor keine Schäden verursacht hat. Das Ergebnis meiner Bemühungen betrachte ich später auf dem Laptop. Alles OK. Noch nicht mal ein Kratzer ist zu sehen. Die Kielbolzen und alles andere sind auch unbeschadet und bombenfest. Da soll nochmal einer was über Bavarias sagen :-).

Den Tag verbummele ich anschließend mit einer Dusche im „Bad“ Hus, einem Hotdog im Kiosken sowie einer ausgedehnten Wanderung über beide Inseln. Dabei filme ich viel und lasse auch die Drohne fliegen. Die Aufnahmen sind wirklich gut geworden. Umso mehr ärgert es mich, als ich diese abends aus Versehen lösche bevor ich sie auf den Laptop überspielen kann. Hmmmpf. Also schnappe ich mir die Drohne noch einmal und marschiere zu einem guten Punkt ganz am Ende von Fredericksoe. Dort stelle ich fest , dass ich ein Kabel vergessen habe. Aaaargh !! Wieder zurück zum Boot, Kabel eingepackt und wieder zurück gelatscht. Als ich dann wenig später die Drohne endlich in der Luft habe, erscheint der Dorf-Sheriff und Hafenmeister und meint „it`s not allowed „. Da ist es wieder, dass Gefühl bei der versteckten Kamera zu sein. Aber gut .. ich akzeptiere auch das natürlich, packe mein Geraffel wieder ein und verkrümmel mich an Bord. Ein paar Aufnahmen konnte ich ja doch schießen und ich hoffe daraus was schönes basteln zu können.

Next stopp .. Sweden ! Die senile Bettflucht treibt mich schon um halb sieben aus der warmen Koje. Im Boot ist es doch ganz schön frisch. Das liegt wohl in erster Linie an den noch lausigen Wassertemperaturen. Um die zehn Grad soll die Ostsee hier nur haben. Das „kühlt“ natürlich ganz gut von unten durch. Nach Kaffee und Dosen-Vollkornbrot-Frühstück geht’s auch schon bald los. Mein heutiges Ziel heißt Utklippan. Eine noch kleinere Felseninsel als Christansoe, die einen kleinen unbewirtschafteten Nothafen beherbergt. Auf den Bildern im Revierführer siehts jedenfalls schon mal klasse aus .. da muss ich hin ! Die Überfahrt verläuft alles in allem gut ist aber wechselhaft. Bei zunächst halbem Wind um die vier Beaufort kommen wir gut voran. Die Sonne will sich heute noch nicht so wirklich zeigen. Das ändert sich erst mittags. Leider geht mit dem Sonnenschein aber auch der Wind flöten. Das hatte ich schon befürchet. Für mittags war nämich ein kurze Flaute mit anschließendem Winddreher auf Südwest gemeldst. Und so kommt es dann auch. Mit guten 15 Knoten erfasst mich ein schöner raumer Wind und nur unter Genua gehen wir die letzten Meilen an. Nach guten 8 Stunden zeigt sich dann am Horizont der Leuchtturm von Utklippan. Das AIS vor mir zeigt außerdem, dass sich wohl mindestens zwei weitere Yachten hierhin verirrt haben. Gespannt und auf alles gefasst (Tiefe ?) fahre ich langsam durch die Molenköpfe. Die Tiefe ist hier allerdings ausreichend, obwohl im Revierführer vor Versandungen gewarnt wird. Im Schutzbecken liegen dann vier Boote. Ein älterer Holländer hilft ir dann auch beim Anleger, gefolgt von einem kurzen Schwatz über ihre und meine Reisepläne.

Utklippan ist echt der Hammer. Anders kann man es nicht sagen. Meint man Christiansoe wäre klein, dann soll man erst mal hierhin kommen. Ein winziger zweigeteilter Felsen mit eine paar kleineren Schären ringsherum. Ein Leuchtturm und ein paar versprengte Häuser auf der „Südinsel“. Der Rest sind Flechten, Sträucher und Möwen. Im Norden liegen au0erdem einige Robben oder sogar Seelöwen gemütlich auf einem Felsen und blöcken die Sonne an. Die hatte ich auch schon auf Christansoe gesehen. Scheinbar gibt es hier doch eine ganze Menge von den kauzigen Schwimmwürsten. Auch hier streife ich einmal überr die südliche Insel , mache viele Aufnahmen und lasse einmal mehr das Dröhnchen fliegen. Dieses mal gibts keinen Mecker. Denn hier gibt es weder nen Hafenmeister noch sonst irgendwas. Einfach ein Becken mit ein paar Eisenringen zum festmachen, ein Plumpsklo und einen kleiner Aufenthaltsraum …fertig, Und genauso muss es hier auch sein. Mein Abend endet mit einem kurzen Schnack mit meinem zahnlosen schwedischen Nachbar, einem Teller Spaghetti mit Tomatensauce und einer Folge Fargo, meinem neuen Langfahrt-Serien-Highlight aus den USA. Echt gut aber nix für schwache Nerven,

So das muss erst mal reichen. Bald mehr von meinem Weg nach Kristianopel und der nächsten Etappe nach Kalmar. Ahoi !

8 Kommentare

  1. Ich wünsch dir eine schöne und sichere Fahrt aus Wien. Ich bin gespannt auf weitere Nachrichten und Videos von dieser fantastischen Reise. Vielen Dank dafür!

  2. Hi Bruderherz..es geht voran. Gut von Dir zu hören. Geniesse die Zeit und hab Spaß. Grüße von Allen. Hier ist alles ok.
    Bis bald Schwesterherz

    • hallo schwesti, alles gut soweit. mal wieder total datt fressbrett verbrannt. aber das kennt man ja nicht anders. heja heja schweden und gruss zurück 🙂

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