Schweden und erster Video-Gruß

Da muss ich bis nach Figeholm (ja, daß heisst wirklich so) fahren, um das bislang pfeilschnellste Internet meines Lebens zu nutzen. Und das obwohl man hier mitten in den Schären liegt, das Dorf sehr klein ist und man hier eher mit Pipi Langstrumpf als Hitec rechnet. Mich freuts natürlich und so nutze ich die Gelegenheit für einen weiteren Blog-Eintrag. Wer weiß schon was da als nächstes kommt.

Wo waren wir stehen geblieben ? Ah ja genau .. auf Utklippan. Ich weiß ja auch nicht genau was gerade mit mir los ist. Aber auch auf Utklippan war die Nacht bereits um 7 Uhr vorbei. Und zwar freiwillig. Etwas verknittert aber dennoch putzmunter stand ich im Salon und schon bald saß ich mit einem Kaffee im Cockpit und bestaunte einmal mehr die urige Umgebung dieses tollen Felsens. Wenig später gings dann los. Die Wettervorhersage meldete für heute im Grunde keinen Wind. Wenn überhaupt sollte es mit 4-5 Konten aus wechselnden Richtungen wehen. Von daher stand heute eine überschaubare Etappe unter Maschine auf dem Programm. Mein Ziel: Kristianopel an der westlichen Seite zu Beginn des Kalmarsunds. Ungefähr 20 Seemeilen galt es zu bewältigen, was mit der neuen Schiffschraube natürlich „ein Klax“ ist :-). Kroch ich früher bei knapp 2000 Umdrehungen mit 4 Knoten durch die Gegend sind es heute an die 5. Sehr gut. Die Fahrt an sich verläuft dann auch undramatisch. Die Sonne hämmert einmal mehr und frittiert mich im Cockpit und schon bald taucht backbord voraus die jetzt bewaldete Küste Schwedens auf. “Yeah !“, denke ich. Ich bin bis nach Schweden gesegelt. Das ist doch schon mal was. Hier war ich zuvor noch nie gewesen. Weder zu Lande, zu Wasser und auch nicht in der Luft. Umso mehr freue ich mich jetzt auf das Land von Königin Silvia und Astrid Lindgren.

In Kristianopel angekommen stand dann eine weitere Premiere auf dem Programm. Nämlich das anlegen mit einer der hier üblichen Heckbojen. Dazu hatte ich mir zu Hause einen der dazu gängigen Bojehaken besorgt. Also los .. langsam den Liegeplatz mit der Boje an Steuerbord ansteuern, beim vorbeifahren den Haken einfädeln und die Leine aus der Hand fieren, während Carpe weiter auf den Steg zu hält. Der Wind pustet leicht von der Seite, stellt aber kein Problem dar. Etwa eine guten Meter vor der Pier stoppe ich die Fahrt langsam aus der Hand mit der Bojenleine auf. Jetzt die Leine auf die Klampe und erneut vorwärts einkupplen um Zug auf der Boje zu halten und sich so das letzte Stück an den Steg heranzuziehen. Als letztes dann nach vorne die Vorleinen überbringen und geschafft. Das hat doch wirklich gut geklappt fürs erste mal. Ich habs natürlich auch gefilmt und werd`s bei Gelegenheit mal zeigen.

Kristianopel hatte ich im Revierfürer als netten kleinen Hafen gefunden. Und das ist er auch. Die typischen kleinen und großen Holzhäuser und -hütten in Rot- und Gelbtönen säumen das Ufer und die wenigen Straßen des Orts. Der Hafenmeister ist ein netter kauziger Mann mit Buckel, der es leider auch nach 5 Versuchen nicht schafft, eine meiner Karten für die Bezahlung der Liegegebühr zu nutzen. Also darf ich ausnahmsweise in bar mit Euro zahlen. Etwas später gelingt es mir am nahen Campingplatz dann doch mit einer Karte etwas Bargeld zu bekommen. Im Hafen selbst ist nicht viel los. Gerade mal eine gute Handvoll Boote liegt hier. Es ist eben noch früh in der Saison. Im Juli und August soll hier die Hölle los sein. Von daher bin ich echt froh so früh hier unterwegs zu sein. Merkwürdig ist nur der leichte AA-Geruch der hier eigentlich den ganzen Tag durch den Hafen weht. Irgendwann hat man sich aber auch daran gewöhnt und so wird Kristianopel zu einem schönen Stopp, den ich hier empfehlen möchte.

Der nächste Tag beginnt wieder früh (watt soll datt ?). Draußen weht bereits eine schöne Brise aus südlichen Richtungen. Das passt bestens zu meinem heutigen Kurs nach Norden. Es soll nach Kalmar gehen. Der hier in der Gegend größten Stadt die dem Sund seinen Namen gegeben hat.Der gemeldete Wind hält was er versprochen hat. Von anfangs 15, geht’s über 20 bis auf 25 Knoten. Nur unter Genua und mit der Brise genau von achtern machen wir so gut Strecke. Die knapp 30 Meilen bis zur Anfahrt nach Kalmar vergehen so quasi in Windeseile. Während der ganzen Zeit steuert der Windpilot wie gewohnt sicher und souverän Carpe durch die zunehmend höheren Wellen. Nach zwei Halsen beginnt schließlich die Ansteuerung von Kalmar. Auch hier gibt’s natürlich einige Untiefen und vor allen Dingen dicke Steine und Felsen im Wasser. Also halte ich mich penibel an die Kardinals- und Fahrwassertonnen. Auch wenn die ein oder andere Untiefe laut Karte für mich nicht wirklich gefährlich sein sollte. Aber .. sicher ist sicher. Der Hafen von Kalmar ist dann doch größer als erwarten. Quer durch den Vorhafen mit seinen großen Fracht- und Passagierterminals geht es in eine der hintersten Ecken. Dort befindet sich die große Marina mit sicher gleich 100 Liegeplätzen. Wieder mit Heckbojen. Während der Zufahrt in das große Becken treffe ich übrigens auf ein Segelboot mit deutscher Flagge, dessen Skipper mich gleich beim Namen nennt und freundlich winkt. Echt lustig – da werde ich später doch gleich mal vorbei schauen.

Ich entscheide mich für einen Platz neben einer weiteren deutschen Yacht. Der Eigner Martin hilft mir dann auch gleich beim Anleger, gefolgt von einem kurzen Schnack. Von Hafen zu Hafen hat es ziemlich genau 6 Stunden gedauert. Das ist echt ok und so habe ich durch meine frühe Ankunft noch etwas Zeit für Müßiggang. Denke ich zumindest. Denn es beginnt mal wieder eine Episode aus „der versteckten Kamera“. Als erstes muss ich aber erst mal was essen. Was trifft es sich da gut, dass gleich zehn Meter von meinem Liegeplatz entfernt ein McDonalds ist. Der Hafen liegt nämlich tatsächlich mitten im Zentrum Kalmars, quasi direkt an der Hauptpromenade an der sich zahlreiche Leute tummeln. Also nix wie rein in den Burgerladen und erst mal was für die Speckrolle getan. Danach will ich mich wieder ums Boot kümmern und zunächst mal Landstrom legen. Alles wird verlegt, eingestöpselt und angeschaltet. Ergebnis: Kein Saft im Boot. „Hmm .. komisch.“, denke ich und fummele erst mal zigfach an den Kabeln und Steckern herum. Aber auch das ändert nichts an dem Problem. Dann kommt mir ein Gedanke. Am Morgen in Kristianopel war mir aufgefallen, dass ich das Kabel meiner Kabeltrommel im Backkistendeckel eingeklemmt hatte. Das war demnach etwas gequetscht, wenn meiner Meinung nach auch nicht kaputt. Also messe ich mit dem Stromprüfer mal alles durch. Langer Rede kurzer Sinn: Es geht zwar voller Strom in die Trommel rein, am Ende kommen aber nur 160 Volt an. Das ist natürlich zu wenig um das Ladegerät und auch alles andere in Wallung zu bringen. Zwischenzeitlich bin ich sicher eine ganze Stunde mit dem Scheiß beschäftigt und die nach wie vor brennende Sonne beginnt mich langsam auszudörren. Aber es hilft ja nix. Ich suche die vermeintlich schadhafte Stelle des Kabels, schneide das Stück heraus und überbrücke das Ganze provisorisch. Wieder messe ich und erneut kommt nur die Hälfte des Stroms am Boot an. So langsam bin ich mit meinem Latein dann doch am Ende. Außerdem habe ich ehrlich gesagt keinen großen Bock jetzt hier noch stundenlang an dem ohnehin schon maroden Kabel herumzufummeln. Nächste Idee: Ein Baumarkt. Wer aber schon mal in Schweden war, weiß, dass Samstags um 12 Uhr fast überall der Hammer fällt und alle Geschäfte zu haben. Im Internet finde ich dennoch einen Baumarkt. Sogar ein BAUHAUS, der zudem bis 18 Uhr geöffnet haben soll. Nun ist es bereits kurz nach 17 Uhr und ich muss leider feststellen, dass ich die doch etwas weitere Strecke bis zu dem Markt bis dahin nicht zu Fuß schaffen werde. „Ich brauche ein Taxi“, denke ich. Also versuche ich zunächst via Telefon ne Taxe zu bekommen. Mehr als unverständliche schwedische Bandansagen kann ich allerdings nicht erreichen. Also wetze ich zum Bahnhof. Dort wird’s doch wohl `n Taxi geben. Denkste .. auch hier ist nix mehr los. Auf dem Rückweg zur Marina überholt mich dann tatsächlich doch ein Taxi. Ich pfeife und rufe, sehe aber gleich, dass der Wagen proppenvoll ist und der Fahre abwinkt. OK. Dass wars dann wohl mit einem neuem Kabel heute. Dann lebe ich die nächsten Tage eben in der 12-Volt-Welt und muss versuchen irgendwo anders ein neues Kabel zu erstehen.Doch wieder kommt es anders. Als ich gerade zurück aufs Boot steigen will, hupt es hinter mir. Der Taximann ist wieder da und winkt mich heran. Ich schildere mein Problem und ab geht die Fahrt mit rasanten 30 km/h Richtung Baumarkt. Rasen scheint in Schweden sehr teuer zu sein. Nun denn – um zehn vor sechs erreichen wir tatsächlich den noch geöffneten Baumarkt und ich erstehe eine neue Kabelrolle für 600 Kronen (schätze mal so 60 Euronen). Die ganze Aktion hat mich nicht nur Nerven, unnütze Rennerei und einen geruhsamen Nachmittag gekostet, sondern am Ende zusammen mit dem Taxi-Gedöns über hundert Öcken. Aber egal. So isset halt eben und nun habe ich wenigstens ne brandneue Rolle und wieder Strom im Boot. Morgen solls dann weiter Richtung Norden und erstmals in die Schären gehen .. ich in gespannt.

Und noch was. Es wird langsam Zeit für die erste Video-Botschaft aus dem „UM DEN TIGER“ Crowdfunding. Mein Gruß geht nach Österreich zu Horst Hwala, der sich als Erster eine Video-Botschaft als Dankeschön für seine Unterstützung ausgesucht hat. Also dann .. liebe Horst Hwala, vielen Dank für deine Unterstützung und viele Grüße aus dem schwedischen Figeholm:



Ahoi !

6 Kommentare

  1. Hej Guido, dein Text hat mich zum Teil köstlich amüsiert weil er mich an meine Anfangszeit in Schweden erinnert hat. Bin vor zwei Jahren beruflich „ausgewandert“ und wohn jetzt in Göteborg. Meine Maxi 95 geht morgen ins Wasser. Ich wünsch dir alles Gute, weiter so und schreib mir ne Mail wenn du auf Schwedisch nicht mehr weiterkommst! Hej då vom Philipp

  2. da komm ich gern drauf zurück. hab schon gelernt das FIKA (oder so ähnlich) das wichitgste überhaupt ist. gemeint ist aber nicht das was man als erstes meint, sondern kaffee oder tee oder so was eben :-). ahoi.

  3. Hey Guido! Prima dass wir nun wieder fast täglich etwas von Dir hören bzw. sehen können! Immer ein abendliches Highlight, erstmal gucken ob es was neues auf Törn.de gibt! Das bedeutet dann meist, dass ich (Silke) orlese und Karsten mit einem Bier auf der Couch rumottert 🙂 ich gebe mir beste Mühe, so zu klingen wie Du! Durch das erstandene Hörbuch kann ich ja fleißig Üben! Gute Fahrt, lieber Guido. Wir freuen uns auf mehr!

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