Bornholm

Moin Moin bzw. god morgen von Bornholm. Es ist jetzt kurz vor 11 Uhr morgens und ich war schon schwer aktiv. Nach Frühstück und dem üblichen Eimer Kaffee hatte ich gerade sogar einen kurzen Putzanfall, da es nach nur einem Seetag an Bord schon aussah wie nach 3 Wochen Nordatlantik. Da hat`s mich dann gepackt und jetzt geht’s so langsam wieder .. also zumindest für meine Verhältnisse :-). Seit gestern Nachmittag liege ich mit Carpe nun im Lystbadehavn Roenne auf Bornholm. Die kleine Marina liegt etwas nördlich vom eigentlichen Haupthafen und wird laut Revierführer als ruhiger und bei Seglern beliebter bezeichnet. Und beides stimmt wohl. Zum einen ist es hier echt ruhig und an den Stegen liegen gleich zwei Hände voll Segelyachten. Kurz nach der Ankunft wurde ich bereits lautstark begrüßt und aufgefordert am besten auf Päckchen zu kommen. Danach wurde mir sogar die erste Übernachtungsgebühr von einem anderen deutschen Segler gesponsert. Da sag ich danke. Roenne (ich muss das so schreiben weil ich diese durchgestrichene OE auf der Tastatur nicht finde) selbst hab ich noch nicht gesehen. Das werde ich heute Nachmittag nachholen und ein paar Aufnahmen schießen. Viel soll der Ort bzw. die Stadt nach Aussage der umliegenden Segler aber nicht bieten. Na mal schauen. Am besten immer erst mal selbst `n Bild machen …

Die Überfahrt von Fehmarn nach Bornholm ist alles in allem gut belaufen. Wenn da nur nicht der unstete Wind gewesen wäre. Eigentlich waren für die gesamte Strecke und auch die anvisierte Fahrzeit durchgehend 4-6 Windstärken gemeldet. Anfangs stimmte das auch und ich konnte ab Burgtiefe mit achterlichem Wind und nur unter Genua gleich gut Strecke machen. Um 9 Uhr hatte ich zuvor die Leinen losgeworfen. Die wirklich letzten Tage vor dem Aufbruch hatte ich mit letzten Vorbereitungen verbracht. Da war noch immer das blöde Gasproblem (ich brauche Propan anstatt Butan für Norwegen), die Heizung sollte nochmal gecheckt werden, ein Heckanker lag zur Montage bereit und überhaupt musste natürlich noch der ganze Proviant an Bord. Also genug zu tun und so vergingen die letzten Tage auf Fehmarn wie im Flug. Auch weil ich sehr nette Nachbarn aus der Schweiz hatte, die mich abends zum Bier und einen netten Schnack einluden.

Aber zurück zu meinem Weg nach Bornholm. Gegen Mittag ließ der Wind bereits spürbar nach. Weil er außerdem genau von hinten blies hatte ich bald das Gefühl zu stehen. Das ist ja bekanntlich genau mein Ding. Gerade wenn die Segel schlagen und es jämmerlich im Rigg klappert und scheppert. Also habe ich mich dazu entschlossen etwas anzuluven und so vor dem Wind zu kreuzen (bzw. zu halsen). So erklärt sich auch mein Weg der zweimal den Fahrweg der Großschifffahrt kreuzt (die Frage tauchte in der Grussbox auf). So konnte ich Carpe wieder etwas in Schwung bringen und das Gefühl voran zu kommen war wieder da. Auf Höhe von Darsser Ort war dann abends allerdings endgültig Zapfenstreich. Das wenige was an Wind noch da war verschwand nach und nach und so fiel für mich irgendwann die Entscheidung eben nach Darsss auszuweichen. Zur Sicherheit habe ich dann aber doch den in Darss stationierten Seenotkreuzer angefunkt. Und siehe da .. „..die Tonnen sind eingezogen, der Hafen ist gesperrt. Gute Reise.“, erhielt ich als Antwort. Na toll. Aber so isset halt manchmal. Also Segel wieder hoch und erneut Kurs Bornholm angelegt. So ging es nun für einige Stunden bei durchschnittlichen 2-3 Knoten Fahrt südlich der Großschifffahrtsroute Richtung Rügen. Die Nacht war nach dem sonnigen Tag doch ganz schön frisch. Nach und nach habe ich wirklich alles angezogen was ich im Salon finden konnte .

Im Laufe der Nacht stellte sich dann zu meiner Freude wieder etwas Wind ein. Mit jetzt nahezu halbem Wind ging es so vorbei an Hiddensee und Rügen . Im Norden kann man übrigens bereits jetzt schon die ganze Nacht das Restlicht der Sonne deutlich erkennen. Dort wird es im Sommer ja bekanntlich nur noch ganz kurz bzw. gar nicht mehr richtig dunkel. Hätte ich nicht gedacht, dass ich das schon von aus hier beobachten kann. Ach ja .. ein kleiner Schweinswal hat übrigens auch mal vorbeigeschaut, sich aber schnell wieder getrollt, sodass ich keine wirklichen Aufnahmen von ihm machen konnte. Tjor .. der Rest der Strecke ist dann eigentlich schnell erklärt. Der Wind hat sich weiter stabilisiert und mich mit durchschnittlichen 6 Knoten Richtung Dänemark getrieben. Parallel zu einer estnischen Yacht, die ich schon die ganze Nacht auf dem AIS beobachtet hatte, ging ich so die letzten Meilen an. Um 13 Uhr war ich schließlich da und zugegebenerweise trotz vieler kleiner Döseinlagen ganz schön Banane. Also schnell noch was geköchelt und ab in die Koje, in der ich bis abends um halb sieben vor mich hingesabbert habe. Gleich hinter mir liegt übrigens eine weitere Bavaria 32 Holiday deren nette Berliner Besitzer am Abend noch auf ein Bier vorbei kamen . Nach einer weiteren ausgedehnten Rüssel-Einlage heute Nacht bin ich nun wieder fit und werde mich gleich mal Richtung Ort begeben, um nach einem WLAN zu suchen und hoffentlich diesen Text und ein paar Eindrücke hochladen zu können.Morgen will ich weiter Richtung Nordost. Mal schauen, ob ich direkt bis Christansoe gehe oder voher noch dem Bornholmer Ort Gudjem einen Besuch abstatte. Dort soll es nämlich auch ganz besonders muckelig sein. Also dann .. ich bin los, es läuft und überhaupt. Aaaaaaahoi !!!

P.S. Vielen Dank auch für die Spenden in Carpes Bordkasse und die vielen vielen Grussbox Nachrichten die ich bereits erhalten habe. Sind angekommen ….

8 Kommentare

  1. Hallo Guido,
    Glückwunsch zum Aufbruch. Das ist bekanntlich das Wichtigste zu einer Abenteurreise.

    Habe mit Erstaunen festgestellt, dass du ja gar kein AIS Signal sendest. War bzw. wäre das auf dem Atlantiktörn und eben auch jetzt auf der Ostsee nicht ein riesiger Sicherheitsgewinn von den grossen Pötten deutlich gesehen zu werden?

    Mal ganz abgesehen davon, dass man dich dann noch viel genauer über Marinetraffic o.ä. verfolgen könnte…

    Beste Grüße aus dem Rheingau und viel Erfolg!
    Tom

    • hi, stimmt, habe nur ein passives AIS , also nur empfänger. ich wollte in der karibik will nicht immer alle und jeden lassen wo ich gerade bin. von daher ganz bewusst diese entscheidung. der rest läuft ja hier auf törn.de über den yellowbrick tracker. der klappt auch überall. marinetraffic stösst in vielen gebieten an grenzen. gruss guido

  2. Hallo Guido, schau Dir unbedingt Gudjem an, und Svaneke ist sogar noch hübscher.
    Das ø macht man mit Alt-O. Fair Winds und Furz und Feuerstein!

  3. Hallo Guido,

    auch von mir Glückwunsch zum erfolgreichenAufbruch. Habe gehofft, dich auf Zwischenstopp in Seedorf zu sehen. Klappt vielleicht ein anderes Mal. Sag mal, wo sind denn die Dalben in Norrekas geblieben. Bei den Hafengebühren nur noch im Päckchen liegen? Viel Glück bei Deiner weiteren Reise. Solltest unbedingt einen Halt auf Gotland, Wisby, machen. Wunderhübsche Altstadt.

    Gruß aus Berlin

    Thomas
    SY Picaroon

  4. Hallo Guido,

    auf meiner Suche nach neuen Zielen für meinen bevorstehenden Törn bin ich auf deinem Blog gelandet. Wie gerne wäre ich jetzt mit meinem „Bomber“ – eine gut erhaltene Voyager aus älteren Tagen – auf hoher See und würde die Ruhe genießen.

    Deinen Tipp mit Lystbadehavn Roenne werde ich mir definitiv als Ziel im Hinterkopf behalten. Das Problem mit der Gasanlage kann ich sehr sehr gut nachvollziehen. Ich habe ein derzeit ein ähnliches Problem, die Kombüse muss komplett erneuert werden (zu meinem Leidwesen und zum Glück meiner Frau) – deswegen können wir auch nicht direkt nächste Woche zu unserem Urlaub starten. Und ob das dieses Jahr überhaupt noch etwas wird da sind wir uns auch noch nicht ganz so sicher 🙁

    Aber es muss nun mal gemacht werden, so können wir nicht vom Hafen ablegen. Die letzten Sicherheitsprüfungen haben nämlich ergeben das die Kombüse eine Gefahr für uns alle darstellt – wir gehen da jetzt mal nicht näher ins Detail sonst wird diese Antwort noch ein eigener Blog Beitrag.

    Nun ja mit verschiedenen Konstrukteuren habe ich gesprochen, wir müssen eine neue Gasversorgung anbringen und auch die Einrichtung an diese Anlage anpassen. Die wollen tatsächlich in mein Bug bohren um von dort die Gasversorgung unter Deck zur Küche zu bringen. Das können die aber vergessen -.- keiner bohrt da irgendwie von außen an meinem „Bomber“ rum!

    Mein Schiffskumpel Matthias hat mir nun schlussendlich die Firma Knocks Fluidtechnik empfohlen, diese stellt maßgeschneiderte Gasanlagen und dazugehörige Druckregler Lösungen her. Wir werden jetzt versuchen die Lösung mit dem ins Bug Bohren zu umgehen.

    Drück mir die Daumen das alles schnell fertig ist – denn im selber bauen bin ich nicht wirklich der Held – damit ich so schnell wie möglich wieder da bin wo ich hin gehöre: auf hoher See.

    Liebe Grüße und noch viel Spaß bei deinem Törn
    Günther

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*