Ein wahrhaft mystischer Ort. Weltkulturerbe Kizhi in Russland. Mitten im Onegasee liegt diese kleine verzauberte Insel mit uralten Holzkirchen, viel Geschichte und einer einzigartigen Stimmung. Bald mehr .. Ahoi !
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Es schifft und schifft und schifft ….. Aber davon lassen wir uns die Laune nicht verderben. Auch nicht von der heute rasanten einen Windstärke, welche uns einen Tag unter Maschine abgerungen hat. Morgen solls wieder etwas pusten und wir hoffen so bis zum Eingang des Belomor-Kanals bei Povenets zu kommen, der uns ins Weisse Meer führen soll. Wir liegen derweil auf der Insel Kizhi. Einem UNSECO Weltkulturerbe und bekannt durch seine riesigen hölzernen Kirchen sowie die übrigen hier zusammengetragenen Artefakte aus früheren Zeiten. Ein wirklich faszinierender Ort. Leider wird das Wahrzeichen der Insel – nämlich die große Kuppelkirche – gerade restauriert. So sind derzeit nur Teile des imposanten Dachs zu sehen. Dafür haben uns aber die vielen anderen Sehenswürdigkeiten mehr als entschädigt. Dazu bald mehr in einem ausführlichen Blog. Wir müssen uns jetzt erst mal trocknen, die nassen Klamotten aufhängen und uns Gedanken übers Abendessen machen. Ahoi !
Wir machen einen Sprung nach Schlüsselburg. Hinter uns liegt die Newa bzw. 40 km Flussfahrt seit der letzten Petersburger Brücke und eine Nacht bei den „Sea Wolves“, einer kleinen privaten Club-Marina direkt am Fluss. Eigentlich wollten wir ja in einem Rutsch nach Schlüsselburg durchfahren, allerdings waren wir irgendwann echt fertig mit der Welt. Dauerregen, Müdigkeit, ein gescheitertes Ankermanöver sowie eine etwas nervenaufreibende Brückendurchfahrt auf halbem Weg nach Schlüsselburg ließen uns spontan den keinen Hafen anfahren, um eine Nacht Schlaf zu tanken. Das letzte Stück zu dem geschichtsträchtigen Ort direkt am Ladogasee war dann mit 10 km nur noch sehr kurz. Das haben wir tags drauf quasi auf einer Pobacke abgesessen. Nun liegen wir an einer einfachen Steinmauer, die aus Zeiten von Peter dem Großen stammen soll. Klampen oder ähnliches gibt es hier nicht. Nur in paar alte Hacken und eine in den Boden geschlagene Stange, an denen wir unsere Leinen vertäut haben. Toiletten, Dusche oder gar Strom gibt es selbstredend auch nicht. Dennoch liegen wir hier eigentlich ganz OK. Wenn da nur nicht die merkwürdigen Geschichten des Lotsen in Petersburg wären, der uns vor abendlichen Besuchen der lokalen Wodka-Leichen warnte. Na mal abwarten. Die kleine „Promenade“ mit dem Fähranleger zur Noteburg und einem „Peter dem Großen“ Denkmal scheint jedenfalls tatsächlich ein Hotspot des Städtchens zu sein. Zumindest finden sich hier tagsüber immer wieder Spaziergänger, aber hauptsächlich junge Pärchen in ihren Autos ein. Dann wird aufs Wasser geschaut oder ein paar Jugendliche springen sogar in die eisige Newa und filmen sich für Youtube.
Der Ort selbst ist schon was ganz anderes als St. Petersburg. Viel Verfall und eckige Häuserblöcke aus Sowjetzeiten. Es gibt ein paar Läden und einen kleinen Markt. Die Nebenstraßen sind bereits nicht mehr asphaltiert, sondern einfache Schotterpisten mit riesigen Schläglöchern und tiefen Pfützen. Unser erster Rundgang führt uns gleich mal in die Kantina. Eine Art Restaurant mit Self-Service, das früher wohl mal zu einem Werk gehört hat und nun der Öffentlichkeit offen steht. Hier nehmen wir ein gutes und günstiges Mittagessen. Leider sorgt das im weiteren Verlauf aber für eine kleine Durchfallattacke. Irgendwas war da wohl nicht so ganz in Ordnung. Die erste Nacht in Schlüsselburg ist dann doch spannend. Irgendwie warte ich dann doch auf den angekündigten Besuch von irgendwelchen Alk-Rabauken und lausche aus der Koje, ob sich jemand am Boot zu schaffen macht. Am Ende passiert aber rein gar nichts. Nur der Regen trommelt fortwährend auf Carpes Dach.
Mittagessen in der Kantina
Unterwegs zur Noteburg
Die Noteburg
Alter Gefängnistrakt in Schlüsselburg
Viel Regen
Auf der Newa
Bei den Sea Wolves in der Newa
Carpe in Schlüsselburg
Ein weiterer Programmpunkt in Schlüsselburg ist natürlich der Besuch der Noteburg, dem eigentlichen Wahrzeichen der Stadt. Diese liegt auf einem kleinen Inselchen unmittelbar in der Mündung der Newa zum Ladogasee. Mit einer alten, klapprigen Fähre fahren wir in knapp 15 Minuten zu dem Eiland herüber. Bereits von weitem kann man die mächtigen Festungsanlage mit ihren Türmchen und Mauern erkennen. Der Ort selbst lässt uns dann staunen und schaudern zugleich. Denn im Grunde ging es hier immer nur um Gewalt, Krieg, Gefangenschaft, Tod und Folter. Angefangen von den Schweden die hier eine Fort betrieben und in einer Entscheidungschlacht gegen Peter den Großen schließlich Karelien an die Russen verloren, über die Zarenzeit in der hier viele Andersdenkende in einfachsten Verhältnissen gefangen gehalten wurden, bis hin zu internierten Revolutionsopfern und schließlich dem Zweiten Weltkrieg. Insgesamt 500 Tage verteidigten hier russische Truppen die Insel vor den deutschen Invasoren, die es so nicht schafften, den Belagerungsring um Leningrad zu schließen. Wir sehen alte Gefängniszellen und Geschütze, meterdicke Mauern und verfallene Backsteinbauten die mich nicht nur nachdenklich, sondern regelrecht traurig machen. Nach gut 2 Stunden geht es mit der Fähre wieder zurück zu unserem zu Hause. Bevor es weiter über den Ladogasee gehen soll, bunkern wir noch etwas Diesel. Dazu engagieren wir ein lokales „Taxi“ und fahren mit unseren Kanistern zur nächsten Autotankstelle.
Nach 3 Tagen in Schlüsselburg wird es Zeit weiter zu fahren. Es wartet der Ladogasee, immerhin Europas größter Binnensee. Die Etappe soll uns in West-Ost Richtung entlang des südlichen Ufers in die Swir führen. Der nächste russische Fluss den es zu überwinden gilt. Insgesamt ein Strecke von gut 80 Seemeilen die wir hoffentlich bei guten Wind bewältigen können. In der Swir haben wir für die kommende Nacht sogar einen Steg mit Wasser und Strom gebucht. Bin mal gespannt, ob das so hinhaut. Ansonsten müssen wir nämlich mitten im Fluss ankern.
Watt ne Action ! Wir sind in Petrosawodsk angekommen, nachdem wir gestern morgen um 3 Uhr in aller Herrgotssfrühe von Voznesene aufgebrochen sind. Schon beim ersten Blick aus dem Niedergang hatte ich mich spontan über die Stellung des Windgenerators gewundert. „Der zeigt doch nicht nach Nordost wie vorhergesagt !?“, dachte ich mir. Losgefahren sind wir trotzdem. Denn es wird zum einen Zeit weiter nach Norden zu kommen und zum anderen kann die Windrichtung im Binnenrevier ja bekanntlich durch tausend Faktoren beeinflusst werden. Auf dem freien Wasser des Onegasees hofften wir also auf den gemeldeten Nordost. Leider vergebens. Denn draußen blies es zunächst aus Nord, was und zum mühseligen aufkreuzen gegen die kabbelige kurze Welle zwang. Fast 5 Stunden haben wir gebraucht bis wir um die erste Landspitze herum waren. Dann ging es extrem hoch am Wind weiter. Aber egal .. Hauptsache wir konnten jetzt einen direkten Kurs fahren. Für den Tagesverlauf war eine Rückdrehung des Windes auf Ostnordost gemeldet, was für unseren Kurs nach Nordwest gut gepasst hätte. Hätte .. denn der Wind ging sogar noch weiter rück auf Nornordwest. Mittags ließ er zudem von jetzt auf gleich nach. Um 13 Uhr war es vorbei und wir waren gezwungen den Diesel einzuschalten. In der Restwelle rollend und gierend ging es so für fast 8 Stunden unter Maschine nach Petrosawodsk. Insgeamt 18 Stunden hats gebraucht und wirklich angekommen waren wir dann auch noch nicht. Denn der Kontaktmann vor Ort lotste uns erst mal in einen falschen Hafen. Ein weiteres Telefonat später fanden wir ihn dann etwas weiter auf seinem „Museumshof“, wo er alte Boote nachbaut und restauriert. Um ehrlich zu sein, wir waren doch ein bisschen geschockt als wir dort hineinsteuerten. Wir sind ja mittlerweile schon einiges gewohnt, aber das gestern war echt der Hammer. Der Liegenplatz lag inmitten von Schutthaufen. maroden Schuppen und Schiffswracks. In der Anfahrt viel Schrott und unkartierte Untiefen im Wasser und am Ufer gleich 7 kläffende und knurrende Hunde, die sich auf dem wackeligen und löchrigen Steg fast selbst die Knochen brachen. Es stinkt nach Öl und eine Unmenege Mücken belagert uns zusätzlich. Nach den 18 Stunden bin ich gestern abend doch etwas ernüchtert und froh als ich endlich in der Koje liege. Vorher gabs noch Strom, als wir unser Kabel waghalsig über eine Wasserfläche werfen mussten wo es durch ein zerbrochenenes Fenster verschwand und später tatsächlich etwas Elektrizität lieferte. Heute morgen siehts schon wieder besser aus. Die Sonne scheint, wir haben Diesel an der Tanke gebunkert (hat allein an der Tanke fast anderthalb Studnen gedauert) und dank Vadim – den wir dort zufällig trafen – haben wir einen neuen Platz mit Strom, Wasser und sogar Dusche. Vadim hat uns außerdem samt Diesel zum Boot gefahren und war mit uns im Supermarkt. Alles mal einfach so und als wir ihm etwas Geld geben wollten, lehnte er entschieden und stolz ab. Man ist mal wieder sprachlos angesichts dieser Gastfreundschaft, aber auch dem, was hier manchmal irgendwie normal ist. Gleich machen wir noch ein Nickerchen, gehen duschen und dann wollen wir mal in die Stadt nen Burger essen und Fussball gucken. Mal schauen was uns da wieder alles an Challenges und Überraschungen erwarten. Soweit in Kürze von den aktuellen Geschehnissen. Im Anschluss folgt ein weiterer ausführlicher Blog über das was war .. Viel Spaß damit und Ahoi !
Morgens in Petrosawodsk
Flaute auf dem Onega
Unser neuer Platz
Russia 2
Den Wartetag vor dem zweiten Brückenanlauf durch St. Petersburg vertrödeln wir an Bord und unternehmen nachmittags noch einen Ausflug in die nähere Umgebung. Dabei entdecken wir zufällig die Amüsiermeile nahe dem Zenit-Fußballstadion. Ein riesiger Vergnügungspark mit Achterbahnen, Kinderkarussell und so allerlei anderen Fahrgeschäften, die mir allein beim zuschauen die Angst in die Knochen treibt. Mit der Metro fahren wir anschließend nochmal ins Städtchen, schauen uns noch ein paar Sachen an, bevor wir per App-Taxi wieder in die Marina eiern. Um sieben Uhr starten wir von dort zum nächsten Brücken-Versuch. Dieses mal müssen wir einen weiten Bogen in die große Newa fahren. Das bedeutet zunächst heraus aus St. Petersburg in die Bucht und dann etwas weiter nördlich wieder hinein in den Fluß. So umgehen wir die lästige neue Brücke und sollen den Lotsen nun an einem großen Ponton unmittelbar vor der ersten Brücke aufnehmen. Als Ansteuerungshilfe wird uns ein U-Boot genannt, das dort vertäut sein soll.
Der Wind steht steif in die Bucht. Das bedeutet für uns zunächst gegen die steile und kabbelige Welle des flachen Wassers zu motoren. Carpe schlägt dabei immer wieder hart ins Wasser und zeitweise kriechen wir mit nur 2 Knoten über Grund voran. Sobald es der Wind zulässt, nehmen wir immer wieder die Genua hinzu, um etwas mehr Fahrt zu machen. Vorbei am futuristischen Zenit Stadion in dem übrigens gerade einige Spiele des Confederation-Cups ausgetragen werden und wo vorgestern sogar Vladimir Putin persönlich mit zig Hubschraubern und FSB (ehemals KGB ) Wachbooten auf dem Fluß zu Gast war, geht’s hinaus. Nach etwa 5 Meilen können wir abfallen und wieder hinein in die Newa steuern. Jetzt wird’s deutlich ruhiger und das Vorsegel treibt uns mit dem jetzt achterlichen Wind schnell zurück Richtung Stadt. Der Zugang zur Newa ist gesäumt von Schwerindustrie und Werften. Wir passieren riesige Berge aus Metallschrott, gigantische Trockendocks und Kräne die bis in den Himmel reichen. Dann taucht unvermittelt auf der linken Seite ein großes blaues Schiff auf. „Russatomflott“, ruft Viktor mir zu. Ich frage nach und erfahre, dass es sich bei der ARCTICA um einen Atomeisbrecher handelt. Der wird hier wohl gerade umfangreich restauriert. Jedenfalls wird an zig Stellen fleißig gehämmert und geschweißt. Im Hintergrund erkennen wir zudem ein Atomsymbol auf einem großen hallenartigen Gebäude. Scheinbar ist das hier ein zentraler Punkt für die Wartung der atomgetriebenen russischen Flotte. Carpe fährt also gerade an einem echten Atomschiff vorbei. Das ist doch wohl mal cool. Natürlich nehme ich die Kamera zur Hand und filme emsig. Keine Ahnung ob das wirklich so erlaubt ist. Aber die Nähe zum Zentrum und die ebenfalls nahen Museumsschiffe die jeden Tag von hunderten Touristen bevölkert werden, lassen das Ganze nicht so top secret erscheinen.
Lotse Igor ist da
Die erste Brücke öffnet
Der scharlachrote Segler
Petersburg bei Nacht
Die Brücken sind geschafft !
Die Gegend verändert sich
Atomeisbrecher ARCTICA
Warten vor der ersten Brücke
Wenig später erreichen wir dann besagten Ponton mit dem großen U-Boot aus den 60er Jahren. Auch dieses ist ein Museumsschiff geworden und steht für interessierte Besucher bereit. Vor dem Anleger verlieren wir noch nen Fender, und müssen einen extra Kringel drehen um diesen wieder einzusammeln. Dann liegen wir an dem monströsen Steg der durch riesige LKW Reifen als Fender geschützt ist. Während ich etwas köchele, geht Viktor mal zum U-Boot herüber und hält nen kurzen Schnack mit dem Kapitän. Der lädt uns spontan zu einer Besichtigung ein. Da ich aber gerade das Essen auf dem Herd habe und der U-Boot Kommandant auch bald schließen will, vertagen wir den Besuch. Wäre zwar schon interessant gewesen, aber ähnliche U-Boote habe ich bereits auf Fehmarn und auch einmal in Laboe besichtigt. Also lieber etwas essen und noch ein wenig ausruhen. Während wir unser Essen löffeln schweift mein Blick immer wieder umher. So ganz langsam schnalle ich, dass wir tatsächlich in St. Petersburg stehen und es jetzt hinein ins russische Binnenland geht. Ähnlich wie bei der Atlantik-Tour ist er plötzlich da: Der Moment auf den man lange hingeplant hat und der bislang eher diffus und irreal war. Wir sind tatsächlich hier und es geht weiter .. geil !
Die restliche Wartezeit bis zum Eintreffen des Lotsen nutzen wir für ein kurzes Schläfchen. Die kommende Nacht und wohl auch der folgende Tag werden lang werden. Und außerdem haben wir bereits ein ganzen Tag in den Knochen. Eigentlich wollten wir hinter der letzten Brücke Petersburgs in einem kleinen Hafen etwas pausieren. Leider müssen wir aber sofort weiter, da wir für eine weitere Brücke angemeldet sind die extra für uns geöffnet wird. Durch den Gegenstrom auf der Newa braucht das etwas Zeit und so können wir uns die Pause leider in die Haare schmieren.
Um 0.30 Uhr wache ich auf und räckele mich gähnend auf der Salonbank. Auch Viktor ist von den Toten auferstanden und stolpert Richtung Cockpit. Als er die Treppe hochsteigt, höre ich nur ein „Dobryy wecher“. Er begrüßt damit den Lotsen, der bereits gemütlich im Cockpit sitzt und scheinbar auch ein kurzes Lünzjen gehalten hat. Nicht schlecht. Ich habe von seinem an Bord kommen nix mitbekommen und er hat sich aus Rücksicht auf uns mucksmäuschenstill verhalten. Auch ich steige nun an Deck und begrüße Igor. Ein Mann Mitte 50 der nett und offen ist. Anhand unserer Karten folgt eine ausführliche Einweisung in das anstehende Vorhaben und die eine oder andere interessante Randinfo. Fast eine ganze Stunde dauert die Besprechung unter Deck. Dann geht alles ganz schnell. Wir werfen die Leinen los und steuern direkt auf die erste Brücke zu. Diese ist noch geschlossen. Da wir aber als Erste durchfahren, sollen wir unmittelbar davor warten. Das geht im Strom der Newa besser als gedacht. Mit der Maschine halte ich Carpe direkt vor den mächtigen Fahrbahnen auf der Stelle. Manövriert wird mit dem Ruder das durch Schraube aber insbesondere den Strom angeströmt wird und so gut reagiert. Stundenlang könnte man so auf der Stelle stehen. Mit einem lauten metallischen Geräusch beginnen sich schließlich die beiden Flügel der Brücke langsam zu öffnen, während Igor immer wieder in unsere Fluss-Funke palavert. Obwohl es mittlerweile halb zwei in der Nacht ist, ist der Himmel noch immer dämmrig hell erleuchtet. Viel dunkler wird’s wohl nicht werden, denn in gut 2 Stunden geht bereits die Sonne auf. Zusammen mit dem hellen Licht der umliegenden Gebäude und Brücken wirkt es so fast wie am Tag. Die Stimmung ist jedenfalls grandios und wird sich sicher für immer in mein Hirn einbrennen.
Als die Brücke offen ist warten wir auf die grüne Ampel und geben Gas. Die Newa fließt hier doch mit fast 3 Knoten. Entsprechend langsam kriechen wir über Grund durch die Pfeiler hindurch. Der Lotse gibt mir dabei immer wieder mal eine Anweisung oder fordert mich auf etwas mehr Gas zu geben. Das mache ich jedoch nur ungern. Denn meinen guten alten Diesel will ich nicht zu sehr vor den Hals treten. Mehr als 2.500 Umdrehungen gehen da für längere Zeit nicht. Auch im Hinblick auf die noch anstehenden vielen Motorstunden auf den Flüssen und Kanälen, will ich den Motor möglichst schonen. Also lieber etwas langsamer, was auch der Lotse irgendwann murmelnd akzeptiert.
Der Rest ist schnell erzählt. Wir nehmen eine Brücke nach der anderen und bestaunen dazwischen die vielen Bauten, Kirchen und andere Schiffe, die zusammen mit uns gerade durch die russische Metropole fahren. Unter anderem überholt uns auch ein Großsegler. Wie mich Viktor wissen lässt, handelt es sich dabei um ein Schiff aus Schweden, welches einmal im Jahr nach Petersburg gebracht wird. Hier wird es im Rahmen der Feierlichkeiten der „Weißen Nächte“ mit scharlachroten Segeln bestückt, um so als weltbekanntes Symbol der Feiern über die Newa zu fahren. Die weißen Nächte sind erst in ein paar Tagen. Das Schiff haben wir so aber trotzdem zu Gesicht bekommen. Sehr gut.
Gegen 5 Uhr morgens haben wir es schließlich geschafft. Hinter der letzten „klappbaren“ Brücke setzen wir Igor an Land ab und fahren fortan alleine weiter. Die wirklich letzte Brücke des Stadtgebiets ist hoch genug für uns und so können wir das auch selbst angehen. Wir verabschieden uns also vom netten Igor und verlassen St. Petersburg. Die Gegend hat sich bereits verändert. Nun sind es mehr Wohngebiete aber auch verfallene und plötzlich wieder neue Industriegebäude, die uns von rechts und links anstarren. Bis nach Schlüsselburg sind es derweil noch ungefähr 40 km. Dort wollen wir unmittelbar an den Toren zum riesigen Ladogasee das erste mal Halt machen. Mal schauen ob wir das so schaffen. Bald mehr …
P.S.:
Achso. Es tauchte jetzt schon mehrfach die Frage auf, wie wir das gerade mit der Diesel- und Wasserversorgung machen. Das ist in der Tat nicht immer einfach. Hier ist etwas Organisation, viel gutes zureden aber auch ein wenig Glück gefragt. In Schlüsselburg haben wir beispielsweise Diesel per Taxi an einer Tanke geholt. Dann zweimal mit den Crews von Barkassen Wasser und Brennstoff „getradet“, aber auch schon Wasser aus einer Quelle geschöpft und per Kanister zum Boot geschleppt.