Adjö Sverige und Hei Suomi !

Es schaukelt und ruckt in den Leinen. Carpe liegt mit etwas Schräglage an der hölzernen Pier von Utö (FIN), während es draußen immer mehr bläst. Der Höhepunkt des Starkwindtiefs sollte aber bald erreicht sein und dann von ordentlichem Regen und abnehmenden Winden abgelöst werden. Die schwarze Wolkenfront ist bereits deutlich zu sehen und zieht gerade über Finnlands ältesten Leuchtturm auf mich zu. Nur gut, dass ich in Erwartung des anstehenden Winds längsseits und vor allem in Lee des Stegs angelegt habe. Hier liege ich im Vergleich zu den übrigen Booten im Hafen sehr komfortabel. Auf der Luv-Seite der Pier slippen die Heckanker und die Yachten müssen bei viel Wind und ungemütlichen Verhältnissen abgesichert oder ebenfalls längsseits verholt werden. Unmittelbar vor mir liegt außerdem ein sehr kleines Segelboot, welches gestern von der finnischen Seenotrettung gebracht wurde. Die drei estnischen Jungs hatten das Boot vor einigen Tagen in Schweden günstig erstanden und sich auf den Weg Richtung Heimat gemacht. 10 Meilen vor der Küste Utö`s fiel dann der Außenborder aus und die drei Segelneulinge ließen sich hier hin schleppen. Nachdem ich Ihnen gestern mit etwas Werkzeug ausgeholfen habe, läuft der Motor nun wieder und sie wollen vielleicht noch heute Nacht weiter fahren. Auch mein gutes Zureden hat da nix gebracht. Sie wollen einfach los und das, obwohl sie allesamt unerfahren und ganz schön durchgeschüttelt sind. Einer der drei geht hier sogar von Bord und fährt mit der Fähre weiter Richtung Turku. Er war wohl auf der Passage von Schweden hierher so seekrank, dass ihm die Lust auf weitere Segelabenteuer vergangen ist. Kann ich verstehen …

Ich bin also in Finnland angekommen. Ein neues Land sowohl für den Törn als auch für mich persönlich. Denn hier war ich bislang noch nie gewesen. Die Finnen sind ein scheinbar nettes und gastfreundliches Volk. Überall wird man herzlich gegrüßt, es gibt keinerlei Kontakthemmnisse und überhaupt wirkt alles sehr geerdet und sympathisch. Die letzten Stationen in Schweden hießen derweil Nynäshamn und Sandhamn. Nach einem wunderbare Tag in Visby auf Gotland startete ich am vergangenen Samstag Richtung Norden. Vor mit lagen gute 80 Meilen bis in die Stockholmer Schären. Meinen ursprünglichen Plan, direkt in einem Rutsch zu den Aland-Inseln zu fahren mußte ich aufgrund der sich immer wieder ändernden Wetterlage aufgeben. Also los …

Um 4.20 Uhr (in Worten „zwanzig-nach-vier“) ging´s aus der Koje. Im Salon brummt bald darauf der Heizlüfter und mein anfangs kondensierende Atem wird wieder unsichtbar. Man merkt doch, dass ich hier immer mehr in nördliche Gefilde komme. Schon kurz nach dem ablegen kommt dann die gemeldete Brise aus Südwest auf. Mit Groß und Genua geht es gleich gut voran. Wirklich nennenswerten Schiffsverkehr gibt es hier oben im Vergleich zur übrigen Ostsee oder gar der Nordsee nicht. Im Grunde nur ein paar Fähren, die die Inseln und Städte miteinander verbinden sowie ein paar verstreute Segelyachten oder Motorboote. Das ist auch gut so. Denn so kann ich mich immer wieder unter Deck verziehen, in meine Decke mümmeln und in etwa 20-minütigen Etappen kurze Nickerchen machen. Die gute alte Atlantik-Eieruhr macht`s möglich. Wirkliche Erfrischung bringen die Schlafeinlagen aber noch nicht. Diesbezüglich muss ich mich erst wieder an das ganze Prozedere gewöhnen. Momentan habe ich sogar eher das Gefühl, daß mich die Kurzschläfchen noch mehr Banane machen als wenn ich einfach komplett wach bleiben würde. Trotzdem werde ich aber oft einfach zu müde und überhaupt verstreicht die Zeit mit „Penneinlagen“ doch etwas schneller. Die Sonne lässt sich heute den ganzen Tag nicht wirklich sehen. Eine dichte Wolkendecke macht den Tag dunkel und ungemütlich. Außerdem lässt der Wind im Laufe des späteren Nachmittags immer mehr nach. Da er zudem achterlich einfällt, wird die gefühlte Windstärke noch weniger. Um ungefähr 18 Uhr ist es dann vorbei mit Segelherrlichkeit. Die Segel flattern und schlagen im Rigg bzw. fallen bei unserer gierenden Fahrt immer wieder in sich zusammen. Also schalte ich den Motor an und nutze diesen für die letzten gut 2 Stunden als Unterstützung . Mein Ziel für heute war den ganzen Tag übrigens noch nicht ganz klar definiert. Zum einen hatte ich das schwedische Utö gedacht, welches laut Revierführer sehr schön aussah und einen gemütlichen Hafen anbot. Daneben hatte ich mir ein paar Ankerbuchen (Nattäro und Ranö) auf der Karte rausgesucht. Letztere war ein Tipp von den beiden „x-trip“ Seglern, die dort wohl auch gerade vor Anker lagen. Nach der durchgebibberten und durch später zudem noch einsetzenden Regen ungemütlichen Überfahrt, habe mich letztlich aber für den Hafen von Nynäshamn entschieden. Irgendwie stand mir nicht der Sinn ach einsamer Bucht und klappender Dieselheizung, sondern Steg, Landstrom für den Heizlüfter und vielleicht sogar etwas zu essen an Land. Und so kam es dann auch. Der große Hafen bot genug Platz zum längsseits anlegen, mit viel Glück fand ich eine Steckdose mit Strom (der wird hier nämlich eigentlich erst nach der Anmeldung beim Hafenmeister angestellt) und der nächste Fressladen mit einem sehr leckerem Grill-Burger war auch nicht weit. Abgerundet wurde der dann doch noch versöhnliche Abend durch ein schönes gezapftes Carlskrone, von dem ich bis heute nicht genau weiß was es mich gekostet hat :-). Am nächste Morgen konnte ich dann auch endlich mal beim Hafenmeister vorbeischauen. Als ich nämlich am Vorabend um halb neun die Leinen fest hatte, war der verständlicherweise schon im Feierabend. Der nette junge Mann hat mir dann sage und schreibe 36 Euro abgeknöpft. Auch mein Einwand, daß ich ja keinen Strom gehabt hätte (kleiner Schwindel) und zudem keinen Zugang zu den Duschen und Toiletten, änderte daran nix. Sonmist….

Um 10 Uhr hieß es dann erneut Leinen los mit Ziel Sandhamn. Ein weit draußen in den Schären gelegener Ort und damit ein idealer Absprunghafen für den später geplanten Schlag nach Finnland. Mehr als den Hafen und ein paar nahegelegene Wohnblocks habe ich von Nynäshamn also nicht gesehen. Das ist aber nicht so schlimm, es kommt da ja hoffentlich noch so viel auf mich zu. Der Wind ist heute schwach und wird in den Schären zusätzlich durch die vielen kleine Inselchen und Felsen abgeschirmt. Also geht es heute weite Teile der Strecke unter Maschine voran. Ist der Wind auf freien Flächen stark genug zum segeln, setze ich aber immer wieder die Tücher um anschließend ohne das nervige Dieselknattern durch diese wahrlich traumhafte Landschaft zu schippern. Mir wurde vorher berichtet, dass die Stockholmer Schären nicht sooo toll seien wie die etwas südlicher gelegenen. Nun, dass kann ich so nicht bestätigen. Im Gegenteil, ich finde es hier ganz besonders beeindruckend und schön. Aber so gehen die Meinungen und Geschmäcker eben auseinander. Vorbei an großen, kleinen, kargen, dann wieder bewaldeten und oft mit kleinen Ferienhäuschen bestückten Inseln, geht es so Richtung Sandhamn. Ein wirklich schöner Tag auf dem Wasser, den ich mit vielen anderen – meist einheimischen – Seglern teile. Immerhin ist ja heute Sonntag und so nutzen viele Schweden das heute wieder sonnige Wetter für einen Ausflug auf s Wasser. Gegen Abend kühlt es dann wieder spürbar ab und ich bin froh, als ich um halb sieben und nach etwa 35 Seemeilen den schönen Hafen von Sandhamn erreiche. Am Steg steht bereits eine junge Dame die mich heranwinkt und die hier zum anlegen notwendige Mooringleinen bereit hält. Also vorwärts anlegen mit Mooringleine. Wieder eine neue Variante, die ich so bislang noch nicht wirklich kenne. Aus dem Mittelmeer kenne ich das mit den Mooringleinen ja bereits. Hier wird allerdings in der Regel rückwärts angelegt, was im Bezug auf die Kontrolle des Boots meiner Meinung nach einfacher ist. Mit übergebrachter Achterleine kann man so nämlich in diese Leine eindampfen und das Schiff so mit Maschine und Ruderlage kontrollieren bis die Mooringleine am Bug fest ist. Aber vorwärts ? Egal .. ich mache es einfach und siehe da .. es klappt besser als gedacht. Ohne helfende Hand am Steg wird das aber zweifellos deutlich schwieriger und fummelig.

Das wenige was ich anschließend von Sandhamn sehe ist wirklich nett. Ein kleiner Ort mit geschotterten Wegen und Sträßchen. Am Hafen ein altes hölzernes Hotelgebäude des „Königlichen schwedischen Segelclubs“, daß mich irgendwie an das Overlook-Hotel aus „Shining“ erinnert und eine wirklich nette und hilfsbereite Hafencrew. In der kleinen Dorfkneipe gibt’s dann wenig später noch ein verdientes Anlegerbier und sehr leckeren Fisch für gerade mal 9 Euro. Da kann man nicht meckern. Der Rest ist Schlaf, denn morgen will ich nach Finnland aufbrechen …

Bald mehr … Ahoi !
,

2 Kommentare

  1. Ahoi Guido,
    Dir geht’s echt gut.
    Bin ziemlich neidisch, da ich
    an Land bin und nicht, wie Du auf dem Wasser.
    Aber im Herbst bin i.ch auch wieder unterwegs.
    Solange muss ich noch aushalten und begleite Dich solange via Bildschirm.
    Also, ….guten Wind morgen
    Gruss
    Volker

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*