Finnland Baby !

11. Juni 2017 Besan 1

Der Abend und die Nacht im schwedischen Sandhamn sind kurz. Außerdem ist es echt frisch. In der Koje wickele ich mich dick in meine Decke ein, bis es morgens um halb fünf aus den Federn geht. Draußen regnet es und der graue Himmel taucht die urige Umgebung in ein milchig gespenstisches Licht. Es ist nämlich schon richtig hell. So wirklich gemütlich ist es dennoch nicht und Lust auf den langen Schlag zu den finnischen Aland-Inseln macht das Wetter auch nicht gerade. Aber es hilft ja nix. Ich muss weiter Richtung Helsinki wo ich am 10. Juni mit Viktor verabredet bin und der Wind sollte heute für die etwa 75 Meilen auch gut passen. Um 6.25 Uhr werfe ich die Leinen los. Vor der Hafenzufahrt kreuzt noch eine große Fähre meinen Weg, dann bin ich wieder allein. Unter Maschine geht es anschließend hinaus aufs freie Wasser, wo ich eine halbe Stunde später die Segel setze und den Motor in den vorübergehenden Ruhestand schicke. Es bläst mit den gemeldeten 4 bis 5 Windstärken aus Süd. Das bringt uns bei einem Kurs von ca. 55 Grad und halbem Wind auf gute 5 Knoten Fahrt. Im weiteren Tagesverlauf soll der Wind weiter zunehmen und auf Südwest drehen. Soll heißen, ich werde später wohl irgendwann das Groß wieder bergen und dann bei den prognostizierten 20 bis 25 Knoten achterlichen Wind wieder nur unter Genua nach Körka fahren. Dort gibt es im Süden der Insel den kleinen Gasthafen von Karlby in den ich möchte. Die Zufahrt soll laut Revierhandbuch zwar sehr flach, dafür aber gut betonnt und bei Tageslicht relativ problemlos zu befahren sein. Ich bin gespannt.

Es läuft jetzt gut. Carpe pflügt durch die See, unter mir gurgelt das Wasser am Rumpf und im Laufe des Vormittags werden auch die Temperaturen wieder etwas erträglicher. Gegen 13 Uhr bemerke ich dann jedoch, wie der Wind spürbar nachlässt. „Äh .. Moment mal …“, denke ich. Der sollte doch eigentlich zunehmen. Doch leider ist dem nicht so. Nur der angesagte Winddreher auf Südwest kommt wie versprochen und ich segle wie vorher überlegt fortan erst mal nur mit der vollen Genua weiter. Das geht anfangs dann doch noch besser als befürchtet. Um halb drei ist es dann aber mehr oder weniger vorbei mit dem Wind. Gerade mal 2 Beaufort wedeln noch etwas Luft von achtern in die Genua. Unser Durchschnittsspeed beträgt nur noch etwas um die 3 Knoten. Bei der noch ausstehenden Reststrecke von sicher 25 Seemeilen, würde das eine Ankunft am sehr späten Abend und damit im nahezu Dunkeln bedeuten. Denn auch wenn es hier wirklich lange hell ist, wird’s dann gegen Mitternacht doch noch etwas finsterer. Dann wird es schwer unbefeuerte Tonne zu erkennen, geschweige denn deren Farbe sicher zu beurteilen. Die auf den Alands meist nur dünnen Spieren die den Fahrweg rechts und links abgrenzen, haben nämlich in der Regel keine Topzeichen oder sonstige Unterscheidungsmerkmale, außer eben der Farbe. „Datt is mir zu unsicher …“; entscheide ich wenig später und schalte zur Unterstützung der Genua den Diesel an. So kommen wir immerhin auf knappe 5 Knoten und einer Ankunft bei halbwegs guten Sichtverhältnissen sollte damit nix mehr im Wege stehen.

Am Ende dauert es bis kurz vor 10 Uhr abends, bis ich den kleinen Hafen von Karlby erreicht habe. Die Infos über die Zufahrt haben nicht untertrieben. Bis zum Beginn der Tonnen bzw. Spieren muss man sich genau an die installierten Richtmarken halten. Diese bestehen hier aus großen signalfarbenen Schildern die – analog zu einem Richtfeuer – an Land stehen und deren Peilung übereinander stehen muss. Als die ersten Spieren in Sicht kommen, wird es dann wirklich eng und der Tiefenmesser zeigt teilweise nur noch 50 cm Wasser unterm Kiel an. Das macht mich zwar noch nicht so richtig nervös, ich weiß aber auch, dass hier schnell mal ein einzelner Stein rumliegen kann und der verbliebene halbe Meter dann von jetzt auf gleich verschwunden ist. Langsam und hochkonzentriert fahre ich also durch das Fahrwasser bis nach einer letzten Biegung endlich ein paar Häuser auftauchen: Karlby ist erreicht. Die letzten Spieren stehen hier übrigens an anderen als auf der Karte verzeichneten Stellen. Scheinbar hat sich hier unlängst was geändert. Noch einmal taste ich mich langsam um die roten und grünen Stangen herum bis ich endlich längsseits an einem Holzsteg liege. Außer mir ist hier absolut kein Mensch, geschweige denn ein anderes Boot zu sehen. Auch das kleine Hotel ist fest verrammelt und keine Socke zu sehen. Mir solls wurscht sein. Ich bin froh endlich da zu sein, stöpsele den Landstrom ein und mache es mir für eine schnelles Essen und ein Folge NARCOS unter Deck gemütlich. Ich bin in Finnland !

Als ich am nächsten Morgen durch mein Kojenfenster schaue, strahlt die Sonne bereits von einem tiefblauen Himmel herab. Sehr schön. Ich koche mir nen Kaffee und klettere ins Cockpit. Die Umgebung ist echt ein Traum und einmal mehr fühle ich mich im Astrid-Lindgren-Land. In ein paar hundert Metern Entfernung höre ich eine Motorsäge und eine kleines Arbeitsschiff baggert irgendwo im Fahrwasser herum. Ich bin also dich nicht ganz alleine hier. Im Hotel oder der kleinen Hafenmeister-Baracke finde ich aber auch heute Morgen niemanden. Also spare ich mir das Liegegeld. Nach dem Frühstück drehe ich noch eine kurze Runde. Lasse kurz die Drohne fliegen, um diesen zauberhaften Ort auch von oben zu bannen und mache mich wenig später auf den Weg nach Utö.

Die Insel Utö kenne ich insbesondere aus Bastian Haucks sehr schönem Segelfilm „Raus ins Blaue“. Auch wenn nur wenige Szenen dort spielen, möchte ich das ehemalige militärische Sperrgebiet mit seinen gerade mal 50 Einwohnern nun auch unbedingt selbst besuchen und erkunden. Wind ist heute leider nur sehr wenig da und so geht’s zunächst unter Maschine wieder auf dem engen Fahrwasser hinaus. Dabei versuche ich mich genau an die Route zu halten, die ich am Vorabend genutzt hatte. Nur ein einziges mal gerate ich wohl etwas zu nah an den Tonnenstrich und plötzlich beginnt der Alarm meines Echolots zu piepen. Mir gefriert sogleich das Blut in den Adern. Sofort kuppele ich die Maschine aus, checke nochmal meine Position im Fahrwasser und stoppe zur Sicherheit auf. Gerade als Carpe steht, schrappe ich kurz mit dem Kiel über den Grund. Mist … !! Noch einmal vergewissere ich mich, dass ich noch im Fahrwasser bin. Das bin ich, wenn – wie gesagt – auch ziemlich am Rand. Ich setze also ein paar Meter zurück und schaue unter Deck schnell den Track meiner gestrigen Einfahrt an. In der Tat bin ich nur ungefähr zwei Meter von meiner gestrigen Kurslinie abgewichen und zack, Grundberührung. Aber kein Grund zur Sorge. Carpe ist wenn überhaupt nur mit nem halben Knoten auf den Hubbel getrieben. Das steckt mein Bötchen ganz locker weg. Mit etwas mehr Abstand zum Fahrwasserrand klappt die Passage dann auch problemlos und ich habe hier plötzlich wieder anderthalb Meter Wasser unterm Kiel. Puh ….

Der Weg nach Utö ist wunderbar. Zwischen den kargen finnischen Schären geht es für etwa 20 Meilen Richtung Südost. Wenn der Wind das Segeln erlaubt, setze ich immer wieder die Tücher und schalte den Diesel aus. Ein wirklich schöner und auch mal wieder überschaubarer Segeltag. Nach guten 3 Stunden Fahrt kommt dann am Horizont der Leuchtturm von Utö sowie zwei mächtige rotierende Radarantennen in Sicht. Scheinbar gibt es hier auch heute noch etwas Militär. Der Leuchtturm ist übrigens das älteste Leuchtfeuer Finnlands und wurde irgendwann im 18. Jahrhundert angezündet. Auch vor Utö gibt es ein enges Fahrwasser für die Ansteuerung der Bucht mit ihren Anlegemöglichkeiten. Entweder kann man direkt an die hölzerne Pier gleich beim Dorf gehen oder an einem etwas weiter draußen gelegen Schwimmponton festmachen. Da dort im Gegensatz zu der Dorfpier Strom und Wasser vorhanden sein soll, entscheide ich mich zunächst für den etwas außerhalb gelegenen Ponton und mache die Leinen fest. Ein erster kurzer Spaziergang führt mich anschließend in den Ort, zum Leuchtturm und dem zentralen Info-Punkt der Insel, dem Kaufmannsladen. Hier treffe ich unter anderem auf die nette Laden-Besitzerin und einen finnischen Segler. Der bestätigt mir auf meine Nachfrage, dass es an der Dorfpier sehr wohl Strom gebe und das man hier sowieso viel besser liegen würde. „OK …“, denke ich, kaufe ein paar Kleinigkeiten im Mini-Laden und verhole Carpe anschließend zu dem etwas zentraleren Anleger. Kurz zuvor hatte ich beobachte wie die finnische Küstenwache ein sehr kleines Segelboot in die Bucht geschleppt hatte, welches nun unmittelbar vor mir an der Pier liegt. An Bord eben die drei estnische Jungs mit Motor- und auch anderen Problemen von denen ich schon kurz in einem früheren Blog berichtet hatte. Der Platz beim Dorf ist tatsächlich besser. Spätestens als gegen Abend noch zwei, drei weitere Boote eintrudeln und ich abends von Antti, dem Finnen-Segler aus dem Kaufmannsladen zu selbst gemachten Pfannekuchen auf seine mächtige Stahlyacht eingeladen werde. Auch die Esten kommen dazu und freuen sich über die Verpflegung nach einem durchwachsenen Tag.

Wegen des gemeldeten Starkwinds bleibe ich für zwei Tage auf der wirklich wundervollen kleinen Insel Utö. Ich unternehme ausgedehnte Spaziergänge an alle Ende der Insel, besuche die kleine Dorfkirche, entdecke riesige Atellerie-Geschütze aus Zeiten des kalten Kriegs und besuche das einzige Hotel de Insel. Dieses ist in den ehemaligen Militärbaracken untergebracht die – aus grauem Beton gefertigt – auf einer Landzunge stehen. Hier gibt es das einzige Restaurant der Insel, was ich mir nicht entgehen lassen will. Nachdem ich mir nen Platz gesucht habe bekomme ich die Karte und den Hinweis, dass es leider nur Fisch geben würde. Und zwar nur einen. „Warum soll ich dann die Karte studieren?“, frage ich sinngemäß. Woraufhin die Bedienung anfängt zu lachen und die Karte wieder mitnimmt. Das Essen ist jedenfalls echt gut und der Besuch wie eine kleine Zeitreise in die Siebziger. Der gemeldete Starkwind ist mittlerweile auch durchgezogen und wurde von prasselndem Regen abgelöst. Zurück an Bord mache ich es mir gemütlich und schaue noch einmal auf die Seekarten. Morgen geht es weiter Richtung Osten. Mal schauen, wo ich am Ende lande ….

Warten auf Viktor

10. Juni 2017 Besan 0

So, ich bin in Hanko angekommen und habe gleich mal eine Runde große Wäsche gemacht. Jetzt warte ich auf Viktor, der um sieben mit dem Zug kommt. Und übrigens … das Internet klappt hier gerade nicht … tzzzz. Ahoi.

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Video-Botschaft für Philipp Kahmann

9. Juni 2017 Besan 0

Und hier die zweite Video-Botschaft als Dankeschön für die Unterstützung beim „UM DEN TIGER“ Crowdfunding. Lieber Philipp Kahmann auch an Dich vielen Dank für deine Unterstützung und alles Gute aus Rosala/Finnland. Extra für dich also hier ein paar bewegte Bilder von meinem bisherigen Weg Richtung Finnland. Ahoi !



Rosala/Nötholm

8. Juni 2017 Besan 2

Leinen fest in Rosala/Nötholm nach gut 35 Meilen durch die Turku-Schären. Geiler Tag mit nur leichten Winden. Morgen geht’s nach Hanko, wo ich Samstag Viktor einsammele. Bis Helsinki schaff ich’s bis zum 10. nicht unter segeln, da kaum Wind die kommenden Tage. All good & Ahoi.

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Adjö Sverige und Hei Suomi !

7. Juni 2017 Besan 2

Es schaukelt und ruckt in den Leinen. Carpe liegt mit etwas Schräglage an der hölzernen Pier von Utö (FIN), während es draußen immer mehr bläst. Der Höhepunkt des Starkwindtiefs sollte aber bald erreicht sein und dann von ordentlichem Regen und abnehmenden Winden abgelöst werden. Die schwarze Wolkenfront ist bereits deutlich zu sehen und zieht gerade über Finnlands ältesten Leuchtturm auf mich zu. Nur gut, dass ich in Erwartung des anstehenden Winds längsseits und vor allem in Lee des Stegs angelegt habe. Hier liege ich im Vergleich zu den übrigen Booten im Hafen sehr komfortabel. Auf der Luv-Seite der Pier slippen die Heckanker und die Yachten müssen bei viel Wind und ungemütlichen Verhältnissen abgesichert oder ebenfalls längsseits verholt werden. Unmittelbar vor mir liegt außerdem ein sehr kleines Segelboot, welches gestern von der finnischen Seenotrettung gebracht wurde. Die drei estnischen Jungs hatten das Boot vor einigen Tagen in Schweden günstig erstanden und sich auf den Weg Richtung Heimat gemacht. 10 Meilen vor der Küste Utö`s fiel dann der Außenborder aus und die drei Segelneulinge ließen sich hier hin schleppen. Nachdem ich Ihnen gestern mit etwas Werkzeug ausgeholfen habe, läuft der Motor nun wieder und sie wollen vielleicht noch heute Nacht weiter fahren. Auch mein gutes Zureden hat da nix gebracht. Sie wollen einfach los und das, obwohl sie allesamt unerfahren und ganz schön durchgeschüttelt sind. Einer der drei geht hier sogar von Bord und fährt mit der Fähre weiter Richtung Turku. Er war wohl auf der Passage von Schweden hierher so seekrank, dass ihm die Lust auf weitere Segelabenteuer vergangen ist. Kann ich verstehen …

Ich bin also in Finnland angekommen. Ein neues Land sowohl für den Törn als auch für mich persönlich. Denn hier war ich bislang noch nie gewesen. Die Finnen sind ein scheinbar nettes und gastfreundliches Volk. Überall wird man herzlich gegrüßt, es gibt keinerlei Kontakthemmnisse und überhaupt wirkt alles sehr geerdet und sympathisch. Die letzten Stationen in Schweden hießen derweil Nynäshamn und Sandhamn. Nach einem wunderbare Tag in Visby auf Gotland startete ich am vergangenen Samstag Richtung Norden. Vor mit lagen gute 80 Meilen bis in die Stockholmer Schären. Meinen ursprünglichen Plan, direkt in einem Rutsch zu den Aland-Inseln zu fahren mußte ich aufgrund der sich immer wieder ändernden Wetterlage aufgeben. Also los …

Um 4.20 Uhr (in Worten „zwanzig-nach-vier“) ging´s aus der Koje. Im Salon brummt bald darauf der Heizlüfter und mein anfangs kondensierende Atem wird wieder unsichtbar. Man merkt doch, dass ich hier immer mehr in nördliche Gefilde komme. Schon kurz nach dem ablegen kommt dann die gemeldete Brise aus Südwest auf. Mit Groß und Genua geht es gleich gut voran. Wirklich nennenswerten Schiffsverkehr gibt es hier oben im Vergleich zur übrigen Ostsee oder gar der Nordsee nicht. Im Grunde nur ein paar Fähren, die die Inseln und Städte miteinander verbinden sowie ein paar verstreute Segelyachten oder Motorboote. Das ist auch gut so. Denn so kann ich mich immer wieder unter Deck verziehen, in meine Decke mümmeln und in etwa 20-minütigen Etappen kurze Nickerchen machen. Die gute alte Atlantik-Eieruhr macht`s möglich. Wirkliche Erfrischung bringen die Schlafeinlagen aber noch nicht. Diesbezüglich muss ich mich erst wieder an das ganze Prozedere gewöhnen. Momentan habe ich sogar eher das Gefühl, daß mich die Kurzschläfchen noch mehr Banane machen als wenn ich einfach komplett wach bleiben würde. Trotzdem werde ich aber oft einfach zu müde und überhaupt verstreicht die Zeit mit „Penneinlagen“ doch etwas schneller. Die Sonne lässt sich heute den ganzen Tag nicht wirklich sehen. Eine dichte Wolkendecke macht den Tag dunkel und ungemütlich. Außerdem lässt der Wind im Laufe des späteren Nachmittags immer mehr nach. Da er zudem achterlich einfällt, wird die gefühlte Windstärke noch weniger. Um ungefähr 18 Uhr ist es dann vorbei mit Segelherrlichkeit. Die Segel flattern und schlagen im Rigg bzw. fallen bei unserer gierenden Fahrt immer wieder in sich zusammen. Also schalte ich den Motor an und nutze diesen für die letzten gut 2 Stunden als Unterstützung . Mein Ziel für heute war den ganzen Tag übrigens noch nicht ganz klar definiert. Zum einen hatte ich das schwedische Utö gedacht, welches laut Revierführer sehr schön aussah und einen gemütlichen Hafen anbot. Daneben hatte ich mir ein paar Ankerbuchen (Nattäro und Ranö) auf der Karte rausgesucht. Letztere war ein Tipp von den beiden „x-trip“ Seglern, die dort wohl auch gerade vor Anker lagen. Nach der durchgebibberten und durch später zudem noch einsetzenden Regen ungemütlichen Überfahrt, habe mich letztlich aber für den Hafen von Nynäshamn entschieden. Irgendwie stand mir nicht der Sinn ach einsamer Bucht und klappender Dieselheizung, sondern Steg, Landstrom für den Heizlüfter und vielleicht sogar etwas zu essen an Land. Und so kam es dann auch. Der große Hafen bot genug Platz zum längsseits anlegen, mit viel Glück fand ich eine Steckdose mit Strom (der wird hier nämlich eigentlich erst nach der Anmeldung beim Hafenmeister angestellt) und der nächste Fressladen mit einem sehr leckerem Grill-Burger war auch nicht weit. Abgerundet wurde der dann doch noch versöhnliche Abend durch ein schönes gezapftes Carlskrone, von dem ich bis heute nicht genau weiß was es mich gekostet hat :-). Am nächste Morgen konnte ich dann auch endlich mal beim Hafenmeister vorbeischauen. Als ich nämlich am Vorabend um halb neun die Leinen fest hatte, war der verständlicherweise schon im Feierabend. Der nette junge Mann hat mir dann sage und schreibe 36 Euro abgeknöpft. Auch mein Einwand, daß ich ja keinen Strom gehabt hätte (kleiner Schwindel) und zudem keinen Zugang zu den Duschen und Toiletten, änderte daran nix. Sonmist….

Um 10 Uhr hieß es dann erneut Leinen los mit Ziel Sandhamn. Ein weit draußen in den Schären gelegener Ort und damit ein idealer Absprunghafen für den später geplanten Schlag nach Finnland. Mehr als den Hafen und ein paar nahegelegene Wohnblocks habe ich von Nynäshamn also nicht gesehen. Das ist aber nicht so schlimm, es kommt da ja hoffentlich noch so viel auf mich zu. Der Wind ist heute schwach und wird in den Schären zusätzlich durch die vielen kleine Inselchen und Felsen abgeschirmt. Also geht es heute weite Teile der Strecke unter Maschine voran. Ist der Wind auf freien Flächen stark genug zum segeln, setze ich aber immer wieder die Tücher um anschließend ohne das nervige Dieselknattern durch diese wahrlich traumhafte Landschaft zu schippern. Mir wurde vorher berichtet, dass die Stockholmer Schären nicht sooo toll seien wie die etwas südlicher gelegenen. Nun, dass kann ich so nicht bestätigen. Im Gegenteil, ich finde es hier ganz besonders beeindruckend und schön. Aber so gehen die Meinungen und Geschmäcker eben auseinander. Vorbei an großen, kleinen, kargen, dann wieder bewaldeten und oft mit kleinen Ferienhäuschen bestückten Inseln, geht es so Richtung Sandhamn. Ein wirklich schöner Tag auf dem Wasser, den ich mit vielen anderen – meist einheimischen – Seglern teile. Immerhin ist ja heute Sonntag und so nutzen viele Schweden das heute wieder sonnige Wetter für einen Ausflug auf s Wasser. Gegen Abend kühlt es dann wieder spürbar ab und ich bin froh, als ich um halb sieben und nach etwa 35 Seemeilen den schönen Hafen von Sandhamn erreiche. Am Steg steht bereits eine junge Dame die mich heranwinkt und die hier zum anlegen notwendige Mooringleinen bereit hält. Also vorwärts anlegen mit Mooringleine. Wieder eine neue Variante, die ich so bislang noch nicht wirklich kenne. Aus dem Mittelmeer kenne ich das mit den Mooringleinen ja bereits. Hier wird allerdings in der Regel rückwärts angelegt, was im Bezug auf die Kontrolle des Boots meiner Meinung nach einfacher ist. Mit übergebrachter Achterleine kann man so nämlich in diese Leine eindampfen und das Schiff so mit Maschine und Ruderlage kontrollieren bis die Mooringleine am Bug fest ist. Aber vorwärts ? Egal .. ich mache es einfach und siehe da .. es klappt besser als gedacht. Ohne helfende Hand am Steg wird das aber zweifellos deutlich schwieriger und fummelig.

Das wenige was ich anschließend von Sandhamn sehe ist wirklich nett. Ein kleiner Ort mit geschotterten Wegen und Sträßchen. Am Hafen ein altes hölzernes Hotelgebäude des „Königlichen schwedischen Segelclubs“, daß mich irgendwie an das Overlook-Hotel aus „Shining“ erinnert und eine wirklich nette und hilfsbereite Hafencrew. In der kleinen Dorfkneipe gibt’s dann wenig später noch ein verdientes Anlegerbier und sehr leckeren Fisch für gerade mal 9 Euro. Da kann man nicht meckern. Der Rest ist Schlaf, denn morgen will ich nach Finnland aufbrechen …

Bald mehr … Ahoi !
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Körka und Utö

6. Juni 2017 Besan 0

Mein lieber Scholly was ist datt hier schön. Ich fühle mich wie auf einem anderen Planeten. So anders, wundervoll und mitunter bizarr ist es hier. Ich komme gerade von einem kurzen Insel-Rundgang und einem Besuch im Kaufmannsladen auf Utö zurück. Danach habe ich Carpe nochmal umgeparkt. Schon gestern bin ich nach 16 Stunden Fahrt auf den Alands gelandet und habe die erste Nacht in Karlby auf Körka verbracht. Auch dort war es unglaublich schön. Jetzt schmeiße ich gleich den Herd an und warte auf das gemeldete Sturmtief. Internet gibbet leider nicht. Also nochmal kurz via Handy. Später mehr … Ahoi!

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Die letzten Meilen

5. Juni 2017 Besan 1

Noch etwa zwei Stunden bis Karlby auf Kökar. Es ist sonnig aber schweinekalt. Leider war der Wetterbericht heute sehr ungenau. Seit einigen Stunden läuft der Diesel zur Unterstützung der achterlichen Brise. Sonst wird es zu spät und die enge, flache und zudem unbefeuerte Einfahrt will ich noch im Hellen schaffen. Gemeldet waren den ganzen Tag 16 bis 26 Knoten. Die gab’s erst jetzt zum Schluss. Na wurscht …. Finnland ist erreicht.

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Sandhamn

4. Juni 2017 Besan 2

Da sind es heute doch wieder acht Stunden geworden. Dafür ging’s aber quer durch die spektakulären Stockholmer Schären nach Sandhamn. Ein muckeliger kleiner Ort in the middle of nowhere. Eigentlich ein guter Platz zum relaxen. Allerdings ist der Wind morgen ideal für den Sprung zu den Alands. Dad muss ich nutzen bevor demnächst ein dickes Tief kommt. Internet ist hier nicht wirklich vorhanden. Also hoffentlich bald mehr von den Alands. Der Schlag morgen wird wieder an so die 80 Meilen gehen. Finnland Baby !! Jetzt gibt’s noch nen Fisch und ein Bier in der Dorfkneipe. Ahoi …

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Nynäshamn

3. Juni 2017 Besan 1

Ui … das war lang. Über 15 Stunden von Gotland bis kurz vor Stockholm. Morgen geht’s weiter. Leider spielt mir das Wetter im Bezug auf Helsinki gerade nicht in die Karten. Aber das ist ja fast normal :-). Ahoi …

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Visby/Gotland 2

2. Juni 2017 Besan 1

Viele Grüße aus dem sonnigen Visby auf Gotland. Wohl mein bisheriges Highlight der Reise, so schön ist es hier. Also dann .. viel Spaß damit. Ahoi !



Visby/Gotland

1. Juni 2017 Besan 0

Watt n Tach. Erst viel Wind aus Nord dann plötzlich nix mehr. Also ganze fünf Stunden unter Maschine die zweite Hälfte bis Gotland abgejuckelt. Nach knapp 60 Meilen jetzt die Leinen fest und direkt bei Nachbars drei Bier getrunken. Jetzt geht’s wieder. Dad Wetter macht mich irre. Ahoi :-).

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